Leitlinien-Check 2026: Das HFD-Update zur strategischen KI-Integration an Hochschulen

Leitlinien-Check 2026: Das HFD-Update zur strategischen KI-Integration an Hochschulen

19.05.26

Der neue Blickpunkt des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) analysiert den aktuellen Stand von KI-Leitlinien an deutschen Hochschulen. Auf Basis einer systematischen Untersuchung zeigt die Publikation, wie sich Hochschulen von ad-hoc Reaktionen hin zu einer langfristigen, agilen Gestaltungsperspektive entwickeln.

Als im Februar 2024 der vorherige Blickpunkt zu diesem Themenfeld erschien, war generative KI (genKI) noch ein neueres, teilweise disruptives Phänomen. Mittlerweile ist der Gebrauch von KI-Tools unter Hochschulangehörigen weit verbreitet. Wenn wir auf die strategische Hochschulentwicklung schauen,  sehen wir einen Wandel weg von der akuten Verunsicherung, hin zu einer dauerhaften Gestaltungsaufgabe. KI-Leitlinien sind dabei weit mehr als reine Regelwerke: Sie fungieren als „Enabling-Dokumente“, die den Umgang mit KI-Systemen regulieren, kontextualisieren und inspirieren. In einem Umfeld stetiger technologischer und rechtlicher Weiterentwicklung bieten sie Hochschulangehörigen eine zentrale Grundlage, um Unsicherheiten mithilfe eines hochschulweiten Orientierungsrahmens zu begegnen.

Die vorliegende Aktualisierung ist eine Orientierungshilfe für strategische Entscheidungsträger:innen und Gestalter:innen der digitalen Transformation. Durch die vergleichende Analyse von 30 offiziell veröffentlichten KI-Leitlinien aus allen 16 Bundesländern identifiziert das HFD zentrale Muster, Lücken und Spannungsfelder.

Vom Reagieren zum Agieren – die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

  • Strategischer Wandel: Während frühe Leitlinien primär darauf ausgerichtet waren, akute Risiken wie Prüfungsbetrug abzufedern, rückt heute die langfristige didaktische und organisatorische Integration in den Fokus.
  • Rechtliche Komplexität: Mit dem Inkrafttreten des EU AI Acts benötigen Hochschulen präzisere Rahmenbedingungen, die Sicherheit vermitteln, ohne Innovationen zu ersticken. Zwei Kernthemen: Datenschutz und Urheberrecht.
  • Akademische Integrität im Fokus: Der Umgang mit KI verändert das Prüfungswesen grundlegend – weg von reinen Kontrolllogiken hin zu kompetenzorientierten Formaten, die Eigenständigkeit und Transparenz miteinander verknüpfen.
  • Notwendigkeit der Agilität: Leitlinien dürfen keine statischen Dokumente sein. Sie müssen dynamisch gestaltet werden, um auf technologische Sprünge reagieren zu können.
  • Blinde Flecken: Die Analyse zeigt Nachholbedarf bei Themen wie Barrierefreiheit, ökologischem Ressourcenverbrauch und der Berücksichtigung der Hochschulverwaltung

Der Blickpunkt dokumentiert nicht nur den Ist-Zustand, sondern gibt Gestalter:innen konkrete Kriterien an die Hand, um bestehende Leitlinien zu evaluieren und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Damit verschiebt sich die Perspektive: KI-Tools können weder zuverlässig verbannt werden noch ist immer und überall zu 100 Prozent nachvollziehbar, wer sie wofür eingesetzt hat. Deshalb ist der informierte Umgang mit genKI die einzige konstruktive Lösung.

Das Hochschulforum Digitalisierung lädt mit dieser Veröffentlichung dazu ein, den Spagat zwischen technologischer Innovation und dem Nachweis eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit aktiv zu gestalten.

Hier finden Sie die komplette Publikation:

Ansprechpersonen

Johanna Leifeld
Johanna Leifeld
CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Projektmanagerin Hochschulforum Digitalisierung
Portraitfoto von Jens Tobor
Jens Tobor
CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Projektmanager Hochschulforum Digitalisierung
Bild2_2
Riccarda Lüthi
CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Studentische Mitarbeiterin