Künstliche Intelligenz und Hochschulen

Künstliche Intelligenz und Hochschulen

Einordnung, Orientierung und aktuelle Übersichten zu Blogbeiträgen, Terminen, Publikationen und weiteren Angeboten

Künstliche Intelligenz und Hochschulen

Highlights:

KI als Treiber von Veränderungen

KI ist innerhalb kurzer Zeit zu einem verbreiteten Bestandteil des Hochschulalltags geworden. Dazu trägt vor allem die rasche Verbreitung generativer KI-Systeme bei, die inzwischen weite Teile hochschulischen Arbeitens berühren: Sie unterstützen Studierende beim Lernen, Lehrende bei der Gestaltung von Lehre, Forschende bei der Analyse und Verwaltungsmitarbeitende bei administrativen Aufgaben.

Deutlich wird: Das Einsatzpotenzial generativer KI-Systeme hat in einer zunehmend digitalen Hochschulwelt kaum Grenzen. Die Systeme verarbeiten und generieren längst nicht mehr nur Text, sondern auch Bilder, Audio, Video und Code. Neuere Modellgenerationen können unterschiedliche Medienformen zunehmend gemeinsam verarbeiten und komplexere Aufgaben bearbeiten. Agentische Systeme bauen darauf auf, reagieren aber nicht mehr nur schrittweise auf einzelne Eingaben im Dialog mit dem System, sondern können vorgegebene Ziele über mehrere Arbeitsschritte hinweg (teil)autonom verfolgen. Dafür planen sie selbstständig Zwischenschritte und beziehen bei Bedarf weitere digitale Anwendungen und Werkzeuge ein.

Kurzeinordnung – Welche KI ist gemeint?

Anwendungen analytischer und diskriminativer KI (z. B. Bilderkennung) sind schon seit einigen Jahren verfügbar. Hier geht es um das Erkennen von Unterschieden und Mustern und um das Differenzieren bzw. Kategorisieren von Inhalten. Beispiele im Kontext von Hochschulen sind unter anderem das automatische Überprüfen von Bewerbungen im Hinblick auf die Anforderungen für das jeweilige Studium oder das Analysieren von Modulbeschreibungen im Hinblick auf angestrebte Kompetenzniveaus gemäß einer Lernzieltaxonomie.

  • Anwendungen analytischer KI ordnen zu, erzeugen jedoch keine neuen Inhalte und wirken nicht auf andere Systeme ein.

Anwendungen generativer KI haben sich seit Herbst 2022 etabliert. Sie erzeugen auf der Grundlage von Input (Prompt) neue Inhalte wie Texte, Bilder oder Computer-Code. Im Hochschulkontext wird generative KI in Form von Chatbots zunehmend intensiv genutzt. Die möglichen Use Cases generativer KI sind vielfältig. Sie betreffen die Lehre (z. B. personalisierte tutorielle Dialoge) ebenso wie Forschung (z. B. Zusammenfassungen zu aktuellen Studien), Hochschulverwaltung (z. B. Chatbots zur Unterstützung der Studienberatung) bis hin zur Kommunikationsarbeit (z. B. mehrsprachige Forschungs- oder Krisenkommunikation über Social-Media-Kanäle).

  • Anwendungen generativer KI erzeugen neue Inhalte, wirken jedoch nicht auf andere Systeme ein.

Agentische KI ist die neueste Entwicklungslinie in diesem Feld. Sie erweitert generative KI um die Fähigkeit, eigenständig mit anderen Systemen und Programmen zu interagieren. Beispielsweise, wenn ein Feedback-Agent eine Datei von einer Ablage abruft, analysiert, verdichtet, Empfehlungen formuliert und diese per E-Mail an eine zuständige Person sendet. Damit steigt nicht nur ihr potenzieller Nutzen, sondern auch die Bedeutung von Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und klarer Verantwortungszuweisung. Ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem KI-Campus ordnet diese Entwicklung ein. Im Bot-Camp zu KI-Assistenten stand die praktische Anwendung im Fokus.

  • Anwendungen agentischer KI nutzen Werkzeuge, wirken auf andere Systeme ein und können komplexe Ziele verfolgen.

Hochschulen im Umgang mit KI

Für Hochschulen ist das folgenreicher als die reine Verfügbarkeit eines vielseitigen Werkzeugkastens für nahezu alle Belange. KI-Systeme wirken an Analysen, Entwürfen, Entscheidungen und vielen weiteren Schritten akademischen und organisatorischen Arbeitens mit. Dadurch verändern sich die Bedingungen, unter denen Leistungen zugerechnet, Kompetenzen vorausgesetzt, Verantwortung übernommen und Arbeitsprozesse organisiert werden. In allen Handlungsfeldern – von Lehren und Lernen über Forschung und Verwaltung bis zum Transfer – gewinnen fachliche Urteilskraft, methodische Kritik und die nachvollziehbare Begründung von Entscheidungen unter neuen Vorzeichen weiter an Bedeutung.

Es führt nur begrenzt weiter, KI dabei als Konkurrenz zu menschlicher Intelligenz zu betrachten. Entscheidend werden vielmehr Fragen des gewollten Zusammenwirkens zwischen Mensch und KI: Wie lässt sich das Zusammenspiel so gestalten, dass KI sinnvoll unterstützt, ohne die eigenständige fachliche Urteils- und Handlungskompetenz zu unterlaufen? Welche Fähigkeiten müssen Hochschulangehörige selbst beherrschen, um KI-Ergebnisse fachlich einordnen und verantworten zu können? Und wie kann das Bewusstsein dafür geschaffen und passende Räume dafür bereitgestellt werden?

Auf solche Fragen kann es weder eine hochschulweit einheitliche noch eine dauerhaft abschließende Antwort geben. Sie werden aus unterschiedlichen fachlichen und organisationalen Perspektiven beantwortet und müssen fortlaufend an neue technologische Möglichkeiten, veränderte Nutzungspraktiken sowie rechtliche und politische Rahmenbedingungen rückgekoppelt werden. Hochschulen stehen damit vor der Aufgabe, Unsicherheit immer wieder in vorläufige und überprüfbare Orientierung zu übersetzen und Handlungsspielräume entlang ihrer akademischen Werte zu gestalten. Ob sie Potenziale von KI erschließen, Risiken begrenzen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können, hängt deshalb wesentlich davon ab, ob sie sich als lernende Organisationen verstehen. Dazu gehört, Erfahrungen im Umgang mit KI systematisch auszuwerten, getroffene Entscheidungen zu überprüfen und institutionelle Rahmungen auf dieser Grundlage weiterzuentwickeln.

Dieses Lernen kann erweitert werden, wenn es nicht an den Grenzen einzelner Hochschulen endet. Ein angemessener und zielführender Umgang mit KI erhöht das Potenzial von hochschulübergreifender Kooperation, weil Erfahrungen zu didaktischen, technischen, rechtlichen und strategischen KI-Fragen alle Gestalter:innen beschäftigen. Es wäre eine vertane Chance, die sich entwickelnde Expertise, das Erfahrungswissen und die Ressourcen nicht gemeinsam nutzbar zu machen. Lösungen könnten gemeinsam erprobt und tragfähige Infrastrukturen dort kooperativ entwickelt werden, wo sie isoliert weder effizient noch dauerhaft tragfähig wären. Hier setzt das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) als bundesweiter Vernetzungs- und Transferakteur an.

Angebote des Hochschulforums Digitalisierung zu Künstlicher Intelligenz

Das Hochschulforum Digitalisierung betrachtet den Umgang mit KI als gemeinsame Gestaltungsaufgabe. Als transferorientiertes Kompetenzzentrum bündelt das HFD die Ansätze unterschiedlicher Expert:innen und Innovator:innen aus dem Feld, informiert Entscheidungsträger:innen, ordnet aktuelle Entwicklungen für Hochschulbildung und -entwicklung ein und schafft Räume, in denen der Umgang mit KI diskutiert und erprobt werden kann.

Dadurch unterstützt das HFD Hochschulen darin, Orientierung, Kompetenzen und institutionelle Handlungsfähigkeit im Umgang mit KI zu entwickeln. Das HFD setzt deshalb auf einen nüchternen und evidenzorientierten Blick auf technologische Entwicklungen – jenseits sowohl übersteigerter Erwartungen als auch pauschaler Ablehnung.

Zentrale Themenfelder

Strategie, Governance und Hochschulentwicklung

KI berührt nicht nur einzelne Anwendungen in Studium und Lehre, sondern wirft grundlegende Fragen nach Profil, Zielen, Verantwortlichkeiten und Strukturen einer Hochschule auf. Das HFD unterstützt Hochschulen dabei, diese Fragen strategisch zu bearbeiten – durch Peer-to-Peer-Strategieberatung: KI in der Hochschulbildung , Studien und Publikationen sowie Austausch- und Entwicklungsformate, in denen institutionelle Ansätze reflektiert und weiterentwickelt werden können.

Strategie, Governance und Hochschulentwicklung, 1 von 6

Kommen Sie ins Gespräch

Haben Sie Fragen zu Künstlicher Intelligenz im Hochschulwesen oder möchten Sie mit uns kooperieren? Wir freuen uns über Ihre Ideen, Hinweise und Anfragen.

Besonders willkommen sind Einblicke in die Gestaltung des Einsatzes von KI in Hochschulbildung und -entwicklung sowie Erfahrungen mit den Chancen, Herausforderungen und offenen Fragen, die daraus entstehen.

Anfragen an: ki@hochschulforum.org

Publikationen

Arbeitspapier Nr. 95: KI in der Hochschullehre einsetzen – Rechtliche Vorgaben in Szenarien erklärt

Wann dürfen Lehrende KI-Systeme in der Lehre einsetzen? Was ist beim Umgang mit personenbezogenen Daten, urheberrechtlich geschützten Inhalten oder externen KI-Tools zu beachten? Das neue Arbeitspapier „KI in der Hochschullehre einsetzen - Rechtliche Vorgaben in Szenarien erklärt“ bietet praxisnahe Orientierung für typische Anwendungssituationen in der Hochschullehre. Herzstück der Publikation ist ein interaktiver Entscheidungsbaum, der Nutzer:innen gezielt zu den für sie relevanten Szenarien führt. Ergänzt wird das Arbeitspapier durch verständlich erklärte Fachbegriffe, ein Glossar sowie eine Checkliste für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Systemen in der Lehre.

Blickpunkt: Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter

Um zu verstehen, wie stark strategische Überlegungen und Entscheidungen auf digitale Lernprozesse an deutschen Hochschulen einzahlen, wurden von Mitte Mai bis Ende Juni 2026 Vizepräsident:innen und Prorektor:innen mit dem Ressort Lehre zum Stand der strategischen Auseinandersetzung mit Learning Analytics, Szenarien digitalen Lernens und KI-gestützten Lerntechnologien befragt.

Diskussionspapier Nr. 41: Gefährdet generative KI die digitale Autonomie im Studium?

Unregulierte Handlungsfreiheit beim Einsatz generativer KI ist nicht gleichbedeutend mit digitaler Autonomie. Das Diskussions-papier zeigt, wie eine intensive KI-Nutzung grundlegende akade-mische Kompetenzen beeinträchtigen und Bildungsziele gefähr-den kann. Es beschreibt, welche Verantwortung Fächer, Lehrende und Studierende tragen, um Deskilling einzudämmen und selbst-bestimmtes digitales Handeln im Studium zu ermöglichen.

Diskussionspapier Nr. 40: Stabilität durch Wandel? Ein Problemaufriss zur digitalen Resilienz an Hochschulen

In den letzten Jahren sind Hochschulen in einen Modus geraten, den man als „reaktives Management“ bezeichnen könnte: Pandemie-Management auf die Schnelle, ad-hoc-Lösungen für Cyber-Sicherheitslücken, irgendwie Schritt halten mit generativen KI-Tools. Dieses Papier argumentiert: Wer in einer unübersichtlichen Welt die Bildungslandschaft von morgen aktiv mitgestalten will, braucht digitale Resilienz. Denn digital resiliente Hochschulen erkennen Herausforderungen frühzeitig, bleiben bei Störungen in digitalen Infrastrukturen handlungsfähig und sie integrieren neue Technologien wie KI souveräne in Lehre, Forschung und Verwaltung.

Blickpunkt: Use Cases in Bewegung. Wie KI Studium und Lehre weiter verändert

Der Blickpunkt zeigt, wie generative KI aktuell in Studium und Lehre an Hochschulen eingesetzt, erprobt und weiterentwickelt wird: Was wird hier mit KI möglich? Welche KI-Chancen plausibilisieren sich? Wo entstehen Herausforderungen? Welche institutionellen Rahmenbedingungen sind hilfreich? Dafür untersuchen die Autor:innen 52 eingereichte KI-Use-Cases für Studium und Lehre an Hochschulen. Neun Anwendungsfälle werden intensiver beleuchtet.

Diskussionspapier Nr. 39: On how to bring up baby robots

Wie können Hochschulen Verantwortung übernehmen, um Bias-Sensibilität im Umgang mit KI strukturell, nachhaltig und wirksam zu verankern? Dieser Text geht der Frage auf den Grund und gibt einige Empfehlungen, auch mit Blick auf zukünftige Kompetenzen von Studierenden und Lehrenden.

Blickpunkt: KI-Leitlinien im Check. Ein Update von 2024 zu 2026

Nach der ersten Auseinandersetzung mit den KI-Leitlinien deutscher Hochschulen von 2024 folgt nun eine aktualisierte und erweiterte Analyse. Das Autorenteam hat 30 Leitlinien aus allen Bundesländern untersucht und verglichen - untereinander, aber auch in Bezug auf die früheren Erkenntnisse. Dabei geht es um technische, organisatorische und ethische Fragen, vor allem für gute Lehre und Praxis und für das Prüfungswesen.

Publikation: Agentische KI im Hochschulsystem

KI-Agenten sind eine Weiterentwicklung von KI-Chatbots: Sie antworten nicht nur, sondern können selbstständig handeln – zum Beispiel Informationen beschaffen, Buchungen vornehmen oder Dokumente aktualisieren. Diese Publikation befasst sich mit neuen Einsatzszenarien und Herausforderungen, die sich daraus für Hochschulen ergeben. Sie soll, differenziert nach Gruppen, Orientierung bieten: Was kommt auf strategische Stabsstellen zu, worauf sollten Mitarbeitende in den Verwaltungen achten, was ist für Lehr- und Lernzentren wichtig?

Arbeitspapier Nr. 92: KI als Managementaufgabe der Hochschule – Den Umgang mit KI in sinnvolle Bahnen lenken

Das Arbeitspapier ordnet den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Studium und Lehre als organisationale Managementaufgabe ein. Auf Grundlage qualitativer Interviews zeigt es, wie Hochschulen unter Unsicherheit versuchen, Orientierung im KI-Umgang herzustellen, und entwickelt eine Heuristik, mit der sich Strategie, Infrastruktur, Qualifizierung und Lehrpraxis in einen Gesamtzusammenhang überführen lassen.