KI-Assistenten an Hochschulen gemeinsam entwickeln – Das Bot-Camp von HFD und KI-Campus
KI-Assistenten an Hochschulen gemeinsam entwickeln – Das Bot-Camp von HFD und KI-Campus
27.04.26
Beim Bot-Camp kamen vom 20. März bis 17. April 2026 fast 400 Hochschulakteur:innen aus dem DACH-Raum zusammen, die an eigenen KI-Assistenten arbeiten oder deren Einsatz vorbereiten. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung entlang konkreter Anwendungsfälle. Wie das Format aufgebaut war, wie die Zusammenarbeit ablief und welche Herausforderungen die größten waren, fasst dieser Beitrag zusammen. In einem weiteren Blogtext schauen wir in den nächsten Wochen auf Erkenntnisse, Ergebnisse und die nächsten Schritte.
Einleitung: Die Bedeutung von wissensbasierten KI-Assistenten
KI-Assistenten mit domänenspezifischem Wissen werden an Hochschulen zunehmend erprobt – etwa als Lernbegleiter, Informationsbots oder zur Unterstützung von Service- und Verwaltungsprozessen. Mit der wachsenden Zahl solcher Initiativen steigt auch der Bedarf an Austausch, Orientierung und strukturiertem Vorgehen. Vor diesem Hintergrund haben das Hochschulforum Digitalisierung und der KI-Campus das „Bot-Camp – Wissensbasierte KI-Assistenten an Hochschulen einsetzen“ durchgeführt. Ermöglicht wurde das zum ersten Mal veranstaltete Bot-Camp in seiner Form durch technische Kooperationen mit der RWTH Aachen, KI:connect.nrw und dem KI-Servicezentrum West AI für eine Experimentierumgebung mit OpenWebUI sowie mit der HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen und der JLU Gießen für einen Zugang zu HAWKI 2.0 – vielen Dank!
Ziel, Ansatz und Ablauf des Bot-Camps
Im Zentrum des Bot-Camps stand die Entwicklung wissensbasierter KI-Assistenten entlang konkreter Anwendungsfälle aus der Praxis der Teilnehmenden.
Das Bot-Camp kombinierte kurze fachliche Impulse mit strukturierten Arbeits- und Austauschphasen. Ziel war es, Orientierung zu geben und gleichzeitig konkrete Anknüpfungspunkte für die eigene Praxis zu schaffen. Die Impulse vermittelten Grundlagen zu strategischen Fragen und Umsetzungsschritten. Darauf aufbauend entwickelten die Teilnehmenden ihre eigenen Vorhaben weiter, die abschließend in einer Peer-Werkstatt vorgestellt und gemeinsam kollegial reflektiert wurden.
Die Praxisimpulse
„Context is King – Eigene Chatbots optimal konfigurieren“
Malte Persike (RWTH Aachen) zeigt, warum kontextspezifische Chatbots im Hochschulkontext an Bedeutung gewinnen. Im Fokus stehen maßgeschneiderte Systeme für konkrete Lehr-, Lern- und Organisationskontexte. Der Impuls liefert eine strategische Einordnung und ein gemeinsames Begriffsverständnis.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 1 (Youtube)
📊 Präsentation Praxisimpuls 1 (PDF)
„Schritt für Schritt zum ersten eigenen Bot“
Andreas Sexauer (KIT) übersetzt strategische Überlegungen in konkrete Umsetzungsschritte für die Entwicklung wissensbasierter Chatbots. Im Zentrum stehen das Zusammenspiel von Systemprompt, Wissensbasis, Modellwahl und Interface. Der Impuls zeigt, dass erfolgreiche Chatbots aus dem Zusammenspiel technischer, didaktischer und organisatorischer Entscheidungen entstehen.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 2 (Youtube)
📊 Präsentation Praxisimpuls 2 (PDF)
„Vom Wissensbot zum Wissensraum“
Vincent Timm (HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen) erweitert die Perspektive von einzelnen Bots hin zu integrierten Wissensräumen. Im Fokus steht die Einbettung von KI-Assistenten in bestehende Informations- und Lernökosysteme. Der Impuls macht deutlich, dass nachhaltige Lösungen vor allem durch passende Infrastrukturen, Anschlussfähigkeit sowie ein Bewusstsein für die damit geschaffenen Räume entstehen.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 3 (Youtube)
📊 HAWKI: „Vom Wissensbot zum Wissensraum“ (Website)
„Wie wird ein Chatbot zum Lernbegleiter? Einblicke in LearnMate“
Angela Polichronidou, Imran Hossain und Louis Dunkel (Goethe Universität Frankfurt) zeigen am Beispiel LearnMate, wie Chatbots didaktisch wirksam gestaltet werden können. Im Mittelpunkt stehen Antwortmodi, Systemprompts als didaktisches Steuerungsinstrument und die strukturierte Aufbereitung von Lerninhalten. Der Impuls verdeutlicht, dass lernwirksame Systeme sich an Lernprozessen orientieren und sich dynamisch an unterschiedliche Phasen anpassen müssen.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 4 (Youtube)
📊 Präsentation Praxisimpuls 4 (PDF)
„Die Themen des Bot-Camps und wie eine MCP-Erweiterung von KI-Chatbots aussehen könnte“
Malte Persike (RWTH Aachen) zeigt, neben einer inhaltlichen wie methodisch-strukturellen Analyse der in der Experimentierumgebung erstellen KI-Assistenten, wie bestehende Chatbots durch Erweiterungen wie Websuche und Agenten über das Model Context Protocol funktional deutlich ausgebaut werden könnten. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Erweiterungen aktuell mit hohen Fehlerraten und Fragen an die Datenqualität sowie Kosten und Kontrollrisiken verbunden sind.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 5 (Youtube)
📊 Präsentation Praxisimpuls 5 (PDF)
„Integration von KI-Assistenten in Lernmanagementsysteme“
Alexander Mikasch und Bastian Schmidt-Kuhl (Ruhr Universität Bochum, AG KI in Moodle) zeigen zum einen, dass das Moodle AI-Subsystem aktuell noch stark eingeschränkte Möglichkeiten für die Integration von KI-Assistenten bieten. Zum andern machen sie aber deutlich, dass externe Plugin-Ökosysteme und portable RAG-Infrastrukturen be- und entstehen und dabei Flexibilität und eigene Modellintegration ermöglichen. Sie rufen auf, sich gemeinsam in den bestehenden Lernmanagmentsystem-Communitys weiter an der Entwicklung zu beteiligen.
▶️ Aufzeichnung Praxisimpuls 6 (Youtube)
📊 Präsentation Praxisimpuls 6 (PDF)
📩 Zur Umfrage „LLMs an Hochschulen“ (Website)
Die Teilnehmenden und ihre Herausforderungen
Mit über 500 Anmeldungen und knapp 400 aktiven Teilnehmenden stieß das Bot-Camp auf großes Interesse. Beteiligt waren Vertreter:innen aus Lehre, Forschung, Didaktik, zentralen Einrichtungen, IT und strategischer Entwicklung aus rund 300 Hochschulen und Organisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien.
Viele Teilnehmende brachten konkrete Anwendungsfälle mit oder entwickelten eigene Ideen weiter. Die Einsatzfelder reichen von Lern- und Tutorensystemen über Beratungs- und Servicebots bis hin zu Anwendungen im Wissensmanagement und in der Forschung. Gleichzeitig befinden sich viele dieser Ansätze noch in einer explorativen Phase.
Die begleitende Umfrage und die Gruppenarbeit zeigen wiederkehrende Herausforderungen: Qualität und Verlässlichkeit von Antworten, Strukturierung von Wissensbeständen, technische Integration sowie rechtliche Fragen. Hinzu kommen strukturelle Themen wie fehlende Strategien, unklare Zuständigkeiten und fragmentierte Infrastrukturen. Gleichzeitig existieren bereits zahlreiche Bottom-up-Initiativen, die bislang oft unverbunden nebeneinanderstehen und häufig auf einzelne Kurse, Services oder Pilotbereiche begrenzt sind.
Auffällig ist die große Bandbreite der Teilnehmenden: Vorerfahrungen, Expertise und Handlungsspielräume sind sehr unterschiedlich verteilt – von ersten Orientierungsschritten bis hin zu fortgeschrittenen technischen und didaktischen Entwicklungen. Gerade diese Heterogenität erwies sich jedoch als produktiv: Viele Teilnehmende konnten ihre jeweilige Perspektive – technisch, didaktisch, wissenschaftlich oder organisatorisch – einbringen und so den Austausch bereichern.
Die gemeinsame Arbeit an konkreten Projekten und Ideen
Der erste Termin diente der Einführung sowie der Vernetzung der Teilnehmenden, unter anderem über eine gemeinsame Mattermost-Gruppe, für die gemeinsame Diskussion und die hochschulübergreifende Zusammenarbeit. In der anschließenden Experimentierphase arbeiteten die Teilnehmenden an eigenen Anwendungen weiter.
Die RWTH Aachen richtete dafür für die Dauer des Bot-Camps eine Experimentierumgebung ein, über die voll funktionsfähige wissensbasierte KI-Assistenten erstellt werden können. Ermöglicht wird das Angebot durch die Unterstützung von KI:connect.nrw und dem KI-Servicezentrum West AI. Allein hier entstanden fast 140 neue wissensbasierte KI-Assistenten. Gleichzeitig wurden hier auch zentrale technische Hürden sichtbar.
Ergänzend wurde allen Teilnehmenden in Kooperation mit der HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen und der JLU Gießen ein Zugang zur Chatumgebung HAWKI zur Verfügung gestellt. Zudem wurden auch hochschuleigenen oder private technische Infrastruktur umfassend genutzt, um die Möglichkeiten wie Herausforderungen von wissensbasierten KI-Assistenten an Hochschulen weiterauszuloten, konkrete Ideen zu entwickeln und umzusetzen.
Der zweite Online-Termin griff die entwickelten Lösungsansätze, Ideen und vorangetriebenen Projekte auf. In einer Peer-Werkstatt wurden 40 vielfältige Projekt- und Ideen-Steckbriefe eingebracht und ein Großteil davon im Bar-Camp-Format diskutiert und weiterentwickelt. Die Ergebnisse und Erkenntnisse veröffentlichen wir in den nächsten Wochen.
Der Mehrwert des Bot-Camps
Das Bot-Camp zeigt, dass der Bedarf an Orientierung und Austausch im Umgang mit KI an Hochschulen groß ist. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden unterstreichen insbesondere die hohe Qualität der Impulse, die Praxisnähe der Inhalte und den Mehrwert des Austauschs in einer Community, die die Bereitschaft mitbringt, mit Neuem zu experimentieren und sich gegenseitig zu unterstützen.
Formate wie das Bot-Camp schaffen Räume, in denen Wissen, Erfahrungen und konkrete Ansätze zusammenkommen – und aus ersten Ideen tragfähige Lösungen entstehen. Die Teilnehmenden arbeiten nun in neuen Netzwerken gemeinsam an ihren Projekten weiter. Denn eine erste Erkenntnis ist klar: Die Entwicklung von voll funktionsfähigen, stabil und faktenbasiert antwortenden KI-Assistenten mit eigenen Wissensbasis ist kein Sprint, sondern erfordert Kollaboration, Frustrationstoleranz und vielfache Iteration.
Materialien und Arbeitsgrundlagen zur Weiternutzung
Zur Unterstützung wurden zwei Canvas entwickelt, die aus der Zusammenarbeit mit Expert:innen der Hochschulcommunity hervorgegangen sind.
Der Canvas „KI-Assistenten – Anwendung“ fokussiert Einsatzszenarien, Zielgruppen und Wissensbasis. Der Canvas „KI-Assistenten – Strukturen und Prozesse“ ergänzt dies um strategische, technische und organisatorische Rahmenbedingungen. Beide Vorlagen können flexibel für die Entwicklung eigener Projekte genutzt werden.
Ergänzend steht eine Steckbriefvorlage zur Beschreibung konkreter Vorhaben zur Verfügung.
Autor:innen

Antonia Dittmann ist Programmmanagerin beim Stifterverband. Im Hochschulforum Digitalisierung entwickelt und koordiniert sie Qualifizierungsangebote für Lehrende und Mitarbeiter:innen von lehrunterstützenden Einrichtungen. Sie studierte Medienwissenschaft und Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Medienbildung und Lebenslanges Lernen in Potsdam, Madrid und Mainz.

Stefan Göllner ist Innovationsmanager beim Stifterverband im Projekt KI-Campus. Dort ist er zuständig für den Aufbau thematischer KI-ExpertLabs, die als methodische Innovationshubs für das Gesamtprojekt dienen. Zuvor arbeitete er als Projektmanager in deutschen und europäischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten u.a. an der Kunsthochschule für Medien Köln, den Telekom Innovation Laboratories und der Universität der Künste Berlin.

Dr. Malte Miram ist Programmmanager beim Stifterverband. Im Hochschulforum Digitalisierung entwickelt und koordiniert er Qualifizierungsangebote für Lehrende, Mitarbeitende in Unterstützungsstrukturen von Lehre und Infrastruktur sowie Wissenschaftsmanager:innen.
Leon Koch 
Malte Miram 
Prof. Dr. Doris Weßels 