Gesichter statt Zielgruppen: Warum wir für die Wissenschaft Personas entwickeln

Gesichter statt Zielgruppen: Warum wir für die Wissenschaft Personas entwickeln

07.08.26

Foto von vielen bunten menschenförmigen Holzfiguren.

Vielen Weiterbildungsangeboten fehlt eine konkrete, klar eingegrenzte Zielgruppe. Personas können dabei helfen! Was man unter dem Begriff überhaupt versteht, und wie man das Prinzip für die digitale Wissenschaft anwenden kann, erklären Anja-Lisa Schroll und Christian Erlacher in diesem Blogbeitrag und im November auch in einem zweitägigen Workshop. 

„Zielgruppengerechte Weiterbildung“ – diesen Satz habe ich in den letzten Jahren in vermutlich jedem zweiten Schulungskonzept gelesen. Er klingt gut. Er verpflichtet zu nichts. Denn wer ist eigentlich „die Zielgruppe“? Die Doktorandin, die zum ersten Mal mit einer KI-gestützten Datenpipeline arbeitet? Der Bibliotheksreferent, der E-Learning-Formate betreut? Die Abteilungsleitung, die über Weiterbildungsbudgets entscheidet? Alle drei tauchen in Statistiken oft unter derselben Überschrift auf – und brauchen in Wahrheit völlig unterschiedliche Angebote.

Genau an diesem Punkt setzen wir in der Interessengruppe 4 „Personal, Aus- und Weiterbildung“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen an. 

Am 19. & 20. November 2026 veranstalten wir gemeinsam mit dem Hochschulforum Digitalisierung in Bonn einen Workshop mit dem Titel „Zielgruppen verstehen – Personas & Kompetenzen für die digitale Wissenschaft.“ Ziel: aus abstrakten Zielgruppen konkrete, arbeitsfähige Personas machen – und daraus ableiten, welche digitalen Kompetenzen diese unterschiedlichen Personengruppen tatsächlich brauchen.

Warum wir das machen?

Der digitale Wandel verändert die Wissenschaftslandschaft spürbar schneller, als viele Personalentwicklungskonzepte mithalten können. Neue KI-Tools, veränderte Arbeit mit und an Daten, neue Formen der Zusammenarbeit – all das trifft auf Mitarbeitende mit sehr unterschiedlichen Rollen und sehr unterschiedlichem Vorwissen. 

Wenn Weiterbildungsangebote trotzdem pauschal für „die Wissenschaftler:innen“ oder „das Verwaltungspersonal“ konzipiert werden, verpuffen sie. Zu allgemein für die einen, zu banal für die anderen.

Die Personamethode aus dem nutzerzentrierten Design bietet hier einen Ausweg. Statt mit Kategorien zu arbeiten, entwickeln wir fiktive, aber realitätsnahe Personen mit Namen, Aufgaben und typischen Alltagssituationen. Eine Persona wie „Digital Researcher“ oder „Scientific Manager“ lässt sich konkret befragen: Womit kämpft sie im Arbeitsalltag? Welche KI-Tools nutzt sie – und welche traut sie sich (noch) nicht zu? Das macht Kompetenzlücken sichtbar, die in generischen Bedarfsanalysen untergehen.

Wie der Workshop aufgebaut ist?

Tag 1 steht im Zeichen der Persona-Entwicklung. Die Gruppen erarbeiten und diskutieren Personas – wer sie ist, welche Aufgaben sie hat, wo ihre digitalen Kompetenzen liegen (sollten). 

Tag 2 widmet sich der Kompetenzkartierung und der Weiterarbeit an den identifizierten Personas. Am Ende steht keine abstrakte Kompetenzliste, sondern eine Landkarte, die jede Institution direkt für ihre eigene Weiterbildungsplanung nutzen kann.

Wer mitmacht?

40 bis 50 Personen aus den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, den Hochschulen und Ressortforschung des Bundes. Das Rückgrat bilden dabei Personalentwickler:innen und Schulungsverantwortliche, ergänzt um Führungskräfte des mittleren Managements, Wissenschaftler:innen als authentische Persona-Geber:innen sowie Vertreter:innen anderer Interessengruppen und externen Gästen.

Die Anmeldung ist noch bis zum 14. August 2026 möglich. Sprechen Sie uns an!

Was danach passiert

Was am Ende zählt: kein Bericht, der in der Schublade verschwindet, sondern dokumentierte Personas und eine Kompetenzlandkarte, die jede Institution direkt für ihre eigene Fort- und Weiterbildungsplanung verwenden kann – plus ein Netzwerk von Kolleg:innen, die vor denselben Fragen und Herausforderungen stehen.

Autor:innen

Anja-Lisa Schroll ist bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Projektleiterin für das Hochschulforum Digitalisierung. Neben der Gesamtverantwortung für das Projekt widmet sie sich der strategischen Vorausschau und aktuellen Herausforderungen der Hochschullehre. Dabei beschäftigten sie zuletzt insbesondere praktische und ethische Fragen des Einsatzes von KI-basierten Systemen oder auch der digitalen Barrierefreiheit.

Foto Christian Erlacher

Dr. Christian Erlacher ist Biologe und im Stab Digitale Innovation in der Personalentwicklung und darüber hinaus im Kernteam der Digitalisierungsinitiative der Max-Planck-Gesellschaft. Seit 2018 vertritt er die Max-Planck-Gesellschaft in der Arbeitsgruppe “Digital qualifiziertes Personal” der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert