Prüfen mit KI: Zwischen Kontrollverlust und Kompetenzgewinn
Prüfen mit KI: Zwischen Kontrollverlust und Kompetenzgewinn
22.01.26
Wie generative KI das Prüfungswesen im Hochschulstudium transformiert, welche Chancen und Risiken daraus erwachsen und mit welchen strategischen Ansätzen Hochschulen diesen Herausforderungen zukunftsorientiert begegnen können: In dieser Auskopplung aus Magazin #6 von „strategie digital” gibt Vera Lenz-Kesekamp einen Erfahrungsbericht aus der Perspektive der Euro-FH. Weitere interessante Artikel zum Thema “Generative KI“ finden Sie in der sechsten Ausgabe des HFD-Magazins „strategie digital“!
Mit der Veröffentlichung von ChatGPT durch OpenAI im November 2022 begann ein Paradigmenwechsel, der auch das Hochschulwesen erfasst hat – insbesondere die Wissensüberprüfung. Textgenerierende Künstliche Intelligenz (KI), also sogenannte Large Language Models wie ChatGPT, Claude oder Gemini, sind heute in der Lage, innerhalb von Sekunden kohärente, plausibel wirkende Texte zu erstellen. Diese Entwicklung stellt insbesondere die schriftlichen, unüberwachten Prüfungsformate vor neue Herausforderungen – darunter Hausarbeiten, Projektberichte und Bachelor- oder Masterarbeiten (Jochim & Kesekamp 2024: 79).
Vor diesem Hintergrund reflektiert der vorliegende Beitrag auf der Grundlage eigener Erhebungen und praktischer Erfahrungen, wie sich diese Entwicklungen auf die Prüfungskultur der Euro-FH als digitale Fernhochschule auswirken. Ziel ist es, hochschulstrategische und didaktische Ansätze systematisch zu analysieren, die digitale Selbststudiumsformate mit den Chancen und Risiken generativer KI produktiv verzahnen.
Nicht nur der mögliche Missbrauch durch Plagiat oder Ghostwriting stellt dabei eine Herausforderung dar, sondern vor allem der drohende Verlust an Aussagekraft traditioneller Prüfungsleistungen. Ist nicht mehr nachvollziehbar, ob ein Text von einem Studierenden oder einer KI verfasst wurde, lässt sich die fachliche Durchdringung und argumentative Qualität für Lehrende nur schwer beurteilen.
Zugleich zeigt die Forschung: Studierende nutzen KI-Tools aktiv – aber nicht unkritisch. In der KI-Trendstudie 2025 der Euro-FH gaben drei Viertel der Befragten an, ChatGPT & Co. bereits im Studium eingesetzt zu haben – im Vergleich zu lediglich 24 % in der Befragung zwei Jahre zuvor. Die Akzeptanz und Neugier gegenüber KI-Tools ist damit deutlich gestiegen. Allerdings sieht sich nur rund ein Viertel der Studierenden als geübt im Umgang, was die Notwendigkeit gezielter Schulungs- und Unterstützungsangebote unterstreicht (Euro-FH 2025: 6).
Während in der Trendstudie 2023 noch über 39 % der Befragten ein Verbot textgenerativer KI im Studium forderten, sind es aktuell nur noch 9 % (s. Abb. 1). Zugleich befürworten lediglich 18 % eine uneingeschränkte Nutzung. Die Mehrheit – rund 72 % – spricht sich für eine sinnvolle Integration unter klaren Regeln aus. Als legitime Einsatzbereiche nennen die Studierenden vorrangig Recherche, Textüberarbeitung und Unterstützung bei der Verständnissicherung. Die Erstellung ganzer Arbeiten mithilfe von KI findet hingegen nur wenig Zustimmung (Euro-FH 2025: 9).

Auch qualitative Rückmeldungen aus Umfragen, Workshops und Lehrendeninterviews an der Euro-FH bestätigen dieses Bild: Studierende sehen in KI kein Schlupfloch zur Leistungserschleichung, sondern ein Werkzeug – vorausgesetzt, es wird reflektiert und transparent eingesetzt. Diese Haltung deckt sich mit internationalen und nationalen Studien (Crawford et al. 2023: 11; Gimpel et al. 2023: 32), die KI-Potenziale für die Förderung von Transfer- und Reflexionskompetenz betonen – bei gleichzeitigem Hinweis auf den notwendigen kulturellen und strukturellen Wandel im Prüfungswesen.
Aktuell sind viele Hochschulen noch nicht ausreichend vorbereitet. Laut einer Erhebung aus dem Sommer 2023 verfügen 63 % der 100 größten Hochschulen in Deutschland über keine oder nur vage Richtlinien zur KI-Nutzung in Prüfungen (Solis 2023). Diese Leerstelle führt zu Unsicherheit – bei Lehrenden ebenso wie bei Studierenden. Zwar sieht es laut Tobor (2025) mittlerweile positiver aus und die Orientierungsformate für Hochschulen differenzieren sich weiter aus, jedoch wird deutlich, dass sich diese stetig weiterentwickeln (müssen).
In der Praxis heißt das: Prüfungen müssen neu gedacht werden. Nicht, indem man generative KI verbietet – sondern indem man sie didaktisch einbettet, transparent reguliert und als Teil zukunftsorientierter Hochschulbildung versteht. So wird aus einem Kontrollverlust eine Gestaltungsaufgabe.
Die didaktische Perspektive: Prüfungsformate neu denken
Die zentralen Fragen, die sich mit Blick auf Prüfungen im Zeitalter generativer KI stellen, sind daher nicht primär technischer, sondern vornehmlich didaktischer Natur: Wie kann eine Prüfung gestaltet sein, die Eigenleistung, kritische Reflexion und den produktiven Umgang mit KI verbindet? Und wie lässt sich diese Prüfungspraxis mit der Realität eines digitalen (Fern-)Studiums vereinbaren?
Um auf diese Fragen fundierte Antworten zu entwickeln, hat die Euro-FH ein mehrstufiges Forschungsprojekt durchgeführt, das qualitative und partizipative Methoden miteinander kombiniert. In mehreren Iterationen – darunter explorative Umfragen, Workshops mit Lehrenden und Studierenden sowie offene Austauschformate wie Barcamps – wurde systematisch erhoben, welche Prüfungsformate unter den Bedingungen generativer KI sowohl didaktisch als auch organisatorisch umsetzbar sind (Jochim & Lenz-Kesekamp 2024: 83) .
Ziel war es, aus hochschulinternen Beteiligungsprozessen tragfähige Prinzipien zur Weiterentwicklung der Prüfungspraxis abzuleiten. Die Analyse der Rückmeldungen erfolgte entlang vordefinierter didaktischer Kriterien. Maßgeblich für die Ableitung der Prüfungsansätze waren insbesondere folgende Fragestellungen:
- Förderung von Eigenleistung: Inwieweit macht das Prüfungsformat individuelle Leistung sichtbar und fördert aktive Auseinandersetzung?
- Integration von Reflexionskompetenz: Unterstützt das Format den kritischen Umgang mit KI-generierten Inhalten und den Erwerb von KI-Kompetenzen?
- Praktikabilität: Ist das Format organisatorisch umsetzbar in einer digitalen, oft berufsintegrierten Lernumgebung?
- Robustheit gegenüber KI-Unterstützung: Reduziert das Format die Gefahr reiner Reproduktion durch KI-Nutzung und ermöglicht differenzierte Leistungsbewertungen?
Auf Grundlage dieser Kriterien verdichteten sich in der Analyse vier Prüfungsansätze, die als besonders geeignet erscheinen, den komplexen Anforderungen an KI-robuste, kompetenzorientierte Prüfungen gerecht zu werden:
Haus- und Projektarbeiten, die durch Transfer- oder Fallaufgaben so gestaltet sind, dass einfache Reproduktion nicht ausreicht. Ziel ist es, Praxisbezug und individuelle Reflexion zu fördern – und damit die Aussagekraft der Prüfungsleistung zu erhöhen.
Prüfungsfragen, die bewusst den Einsatz von KI-Tools einbeziehen – z. B. durch Analyse von KI-generierten Texten, Bewertung von Prompts oder gezieltes Prompting zur Entwicklung wissenschaftlicher Inhalte. Hier steht der kritische Umgang mit KI-Produkten im Fokus.
Schriftliche Prüfungsleistungen werden durch mündliche Reflexionsgespräche oder Präsentationen ergänzt. Ziel ist es, Verständnis und Eigenanteil sichtbar zu machen – eine Maßnahme, die besonders im Fernstudium das Vertrauen in die Authentizität der Prüfungsleistung stärkt.
Dazu zählen u. a. E-Portfolios, Peer Reviews, Gruppenprüfungen oder Experimente, die stärker prozessorientiert sind. Sie bieten Raum für die höheren Kompetenzstufen der Lerntaxonomie – vom Analysieren über das Bewerten bis hin zum Erschaffen neuer Konzepte.
Herausforderungen in der Umsetzung
Trotz hoher didaktischer Qualität bergen viele dieser Formate praktische Herausforderungen:
- Mündliche Prüfungen erfordern personelle Ressourcen.
- Neue Formate müssen technisch und organisatorisch verankert werden.
- Es braucht Schulungen für Lehrende, um Bewertungskriterien anzupassen und KI-Kompetenz zu vermitteln.
Zudem ist die Weiterentwicklung ein dynamischer Prozess: Da sich KI-Tools laufend verändern, müssen auch Prüfungsformate regelmäßig angepasst werden. Ein statisches Prüfungswesen kann diesem Wandel nicht gerecht werden.
Chancen und Risiken
Die Diskussion über KI und Prüfungen muss immer auch kontextsensitiv geführt werden. In digitalen Fernstudiengängen – wie sie die Euro-FH exemplarisch anbietet – stellen sich einige Herausforderungen in besonders ausgeprägter Form. Zugleich lassen sich zentrale Entwicklungen und Lösungsansätze vielfach auch auf Hochschulen im Präsenz- und Hybridbereich übertragen, die zunehmend digitale Lehr- und Prüfungsszenarien implementieren.
Risiken: Authentizität, Steuerbarkeit und Ressourcen
Im klassischen Fernstudium finden Prüfungen vielfach unbeaufsichtigt statt – in Form von Hausarbeiten, Projektdokumentationen oder offenen Online-Klausuren. Damit steigt die Unsicherheit über den Ursprung der Prüfungsleistung: Wer hat die Aufgabe gelöst – die studierende Person oder ein KI-System?
Gleichzeitig stoßen klassische Kontrollmechanismen an ihre Grenzen. Technologische Lösungen wie KI-Detektoren sind oft fehleranfällig und auch datenschutzrechtlich problematisch. Auch organisatorisch bestehen Hürden: Mündliche Prüfungen erfordern im Fernstudium erheblichen Personal- und Planungsaufwand, insbesondere bei großen Kohorten.
Ein weiteres Risiko betrifft die Kompetenzentwicklung selbst: Wenn Prüfungsformate nicht gezielt weiterentwickelt werden, besteht die Gefahr, dass Studierende notwendige Fähigkeiten – etwa im wissenschaftlichen Schreiben oder in kritischer Reflexion – nicht mehr aktiv einüben, sondern an KI delegieren. So droht ein schleichender Verlust an akademischer Substanz.
Chancen: Flexibilität, Innovation, Zukunftsorientierung
Gleichzeitig bietet der Fernstudienkontext besonders günstige Voraussetzungen, um Prüfungen didaktisch weiterzuentwickeln (Jochim & Kesekamp 2024: 88 ff.). Digitale Prüfungssettings ermöglichen es,
- Lern- und Prüfungsprozesse miteinander zu verzahnen,
- Prozessdokumentationen und Portfolioformate sinnvoll zu integrieren,
- und durch digitale Tools den Einsatz von KI transparent zu machen, z. B. durch Prompterläuterungen oder Reflexionsfragen. Dies gilt selbstverständlich auch außerhalb des Kontextes für Fernhochschulen.
Die Studierenden selbst bringen wichtige Ressourcen mit: Sie sind berufserfahren, technikaffin und pragmatisch – und erkennen KI oft als Werkzeug, nicht als Bedrohung. In den empirischen Rückmeldungen aus den Workshops der Euro- FH wurde dies deutlich: Studierende wünschen sich einen reflektierten, geregelten Umgang mit KI – und sind bereit, Verantwortung für ihren Einsatz zu übernehmen.
Ein weiterer Vorteil: Fernhochschulen sind oft strukturell agiler als große Präsenzhochschulen. Neue Prüfungsformate können schneller pilotiert, evaluiert und integriert werden – insbesondere, wenn strategische Strukturen bereits etabliert sind.
Zugleich lassen sich die identifizierten Potenziale und Herausforderungen über den Kontext des Fernstudiums hinaus auch auf das gesamte Hochschulsystem adaptieren, das zunehmend hybride Lehr-Lern-Formate implementiert.
Prüfungen neu denken – aus der Stärke des Fernstudiums heraus
Die gesamte Hochschullandschaft steht durch die Entwicklungen im Bereich KI unter Druck. Fernhochschulen verfügen zugleich über besondere Potenziale, Prüfungen zukunftsfähig zu gestalten. Voraussetzung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der technologische Innovation, didaktische Qualität und organisatorische Realitäten in Einklang bringt.
Das Ziel ist kein Prüfungsformat, das gegen KI immun ist – sondern eines, das KI-kompetente Eigenleistung sichtbar macht. Wenn dies gelingt, wird aus der Herausforderung eine Chance: für eine neue Prüfungskultur, die sowohl wissenschaftliche Integrität als auch Zukunftsorientierung ernst nimmt.
Die strategische Ebene: Regeln, Reflexion, Realismus
Die systemische Transformation des Prüfungswesens im Zeitalter generativer KI erfordert institutionelle Strategiebildung. Ohne eine strategische Rahmensetzung kann ein neues Prüfungsverständnis kaum nachhaltig implementiert werden, da Fragen von Curriculumentwicklung, Governance, Ressourcenmanagement und didaktischer Qualifizierung eng miteinander verwoben sind.
Es braucht eine koordinierte Strategie, die sowohl technologische Entwicklungen als auch didaktische und ethische Perspektiven berücksichtigt. Der hier gezeigte institutionelle Aufbau zeigt exemplarisch, wie Hochschulen durch Governance, Gremien und Qualitätssicherung KI-Potenziale systematisch steuern. Die Euro-FH verfolgt deshalb einen mehrstufigen, integrativen Ansatz, der auf strukturelle Verankerung, interdisziplinären Dialog und operative Umsetzung setzt.

Das KI-Steuerungsteam: Strategien entwickeln, Prozesse synchronisieren
2024 wurde an der Euro-FH ein hochschulinternes KI-Steuerungsteam eingerichtet. Es vereint Vertreter:innen der Hochschulleitung, der Geschäftsführung, der Abteilung Digitale Lehre, des IT-Teams, des KI-Consultings und der Lehre. In einem zweiwöchentlichen Rhythmus erarbeitet das Team strategische Leitlinien für die KI-Integration, bewertet laufende Projekte und setzt Prioritäten für neue Initiativen.
Dieses Gremium versteht sich als strategisches Nervenzentrum, das die Koordination zwischen den Bereichen sichert und dafür sorgt, dass KI-Maßnahmen nicht ins Leere laufen, sondern systematisch in Curricula, Lehre und Prüfungswesen überführt werden .
Der KI & Digital Innovation Hub: Umsetzung beschleunigen, Innovation vorantreiben
Die operativen Maßnahmen werden im KI & Digital Innovation Hub der Euro-FH gebündelt. Hier arbeiten Vertreter:innen aus Lehre, Hochschuldidaktik, Digitaler Lehre, der internen KI-Beratung und weiteren Fachbereichen gemeinsam an der konkreten Umsetzung der Strategien. Der Hub fungiert als Accelerator, der Ideen in die Praxis bringt – etwa durch die Entwicklung von KI-Trainings, Richtlinien für wissenschaftliches Arbeiten oder KI-gestützte Prüfungsformate .
Um die Innovationskraft zu stärken, hat der Hub mehrere fokussierte Arbeitsgruppen etabliert – etwa zu den Themen:
- Content Creation mit KI (z. B. Studienmaterialien, Prüfungsaufgaben)
- Wissenschaftliches Arbeiten im KI-Zeitalter
- KI-Integration in die Curricula mit der Entwicklung eines KI-Kompetenzmodells
- KI-gestützte Learning Analytics
- Entwicklung innovativer Prüfungsformate
Diese Arbeitsgruppen arbeiten evidenzbasiert und orientieren sich an aktuellen Forschungsergebnissen – viele davon stammen aus der eigenen empirischen Arbeit der Hochschule.
Der externe Beirat: Impulse aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technologie
Ein externer Expertenbeirat unterstützt den Hub kritisch und impulsgebend. Die Mitglieder stammen aus Wissenschaft, Technologie und Bildungspolitik. Ihre Rolle: die Hochschule auf ihrem Weg zur KI-integrierten Institution zu begleiten, zu hinterfragen – und falls nötig auch zu korrigieren. So wird sichergestellt, dass die Digitalstrategie nicht nur intern gut gemeint, sondern exzellent durchdacht und anschlussfähig an gesellschaftliche Entwicklungen ist.
KI-Strategie als institutionelle Verantwortung
Die hier vorgestellte Struktur zeigt: Die Euro-FH versteht den Einsatz generativer KI nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Ausdruck eines grundlegenden, langfristigen Wandels, der alle Hochschulen strategisch herausfordert – unabhängig von Hochschulform, Größe oder Trägerschaft. Dabei geht es nicht nur um technologische Innovationen, sondern gleichermaßen um Fragen der Akzeptanz, der ethischen Verantwortung, der didaktischen Qualität sowie der organisatorischen Steuerbarkeit akademischer Prozesse.
Die Kombination aus klarer Aufgabenverteilung (Strategieentwicklung durch das Steuerungsteam), systematischer operativer Umsetzung (im KI & Digital Innovation Hub) und externer Qualitätssicherung (durch den Expertenbeirat) stellt ein erprobtes institutionelles Steuerungsmodell dar. Dieses Modell kann nicht nur für Fernhochschulen, sondern grundsätzlich für alle Hochschulen Orientierung bieten, die sich aktiv und verantwortungsvoll mit den tiefgreifenden Implikationen von KI auf ihre Prüfungs- und Lehrkultur auseinandersetzen.
Diese Webseite bietet einen Überblick über die Integration von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung in Studium und Lehre an der Euro-FH, einschließlich KI-gestützter Lernbegleitung, digitaler Tools sowie relevanter Studien- und Weiterbildungsangebote.
Didaktische Innovation statt Abwehrhaltung
Die hier entwickelten institutionellen Handlungsansätze basieren auf den hochschulintern gewonnenen Erfahrungen und systematisch erarbeiteten Erkenntnissen, die an der Euro-FH in einem intensiven, mehrstufigen Reflexionsprozess mit dem Thema generative KI gewonnen wurden. Im Rahmen von empirischen Erhebungen, interdisziplinären Workshops und einer institutionellen Strategieentwicklung wurden die Herausforderungen und Potenziale neuer Prüfungsformate systematisch analysiert, reflektiert und in konkrete Umsetzungsansätze überführt.
Dieser Reflexions- und Gestaltungsprozess hat gezeigt, dass erfolgreiche Antworten auf die KI-bedingten Veränderungen im Prüfungswesen nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern nur durch ein ganzheitliches, strategisch koordiniertes Vorgehen gefunden werden können. Die hier dargestellten institutionellen Entwicklungen an der Euro-FH verdeutlichen exemplarisch, wie Hochschulen diesen Wandel aktiv gestalten können.
Prüfungen im Zeitalter von KI sind kein temporäres Phänomen, sondern Ausdruck eines umfassenden, hochschulstrategischen Transformationsprozesses. Hochschulen sollten diesen Wandel daher nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten. Dies bedeutet:
- Strategische Einbettung des Themas in Governance und Hochschulpolitik
- Entwicklung nachhaltiger, anwendungsorientierter Prüfungsformate
- Förderung von KI-Kompetenz als Teil der akademischen Bildung
- Einbindung der Studierenden als Mitgestaltende einer neuen Prüfungskultur
Prüfen mit KI heißt: akademische Integrität nicht zu verteidigen, sondern aktiv weiterzuentwickeln – durch institutionelle Strategien, didaktische Innovation und gemeinsame Verantwortung aller Akteur:innen.
Am 27. Januar ist Vera Lenz-Kesekamp gemeinsam mit Dr. Jannica Budde (Hochschulforum Digitalisierung) im CHEtalk feat. Hochschulforum Digitalisierung zu Gast und diskutiert die Frage: Wie verändert sich das Verständnis von Lehre, Leistung und Prüfung unter dem Einfluss generativer KI?
Hier finden Sie weitere Informationen zur Veranstaltung:
CHEtalk feat. HFD: Generative KI als Gamechanger?! – Curricula und Prüfungen im Wandel
Autorin

Prof. Dr. Vera Lenz-Kesekamp ist seit 2025 Präsidentin der Euro-FH und Professorin für Marketing. Nach Stationen in Agenturen und Unternehmen promovierte sie an der Universität St. Gallen und verantwortet seit 2022 den Bereich Digitalisierung und KI sowie den 2024 gegründeten KI & Digital Innovation Hub.
Quellen
- Crawford, J., Cowling, M., Allen, K.-A. (2023). Ethical engagement, assessment, and learning using artificial intelligence (AI). In: Journal of University Teaching and Learning Practice, 20(3).
- Euro-FH (2025). Trendstudie 2025 – Wie Künstliche Intelligenz das Studium revolutioniert. KI-Insights der Euro-FH. https://www.euro-fh.de/fileadmin/downloads/Forschung_Hochschuldidaktik/KI-Trendstudie.pdf
- Euro-FH (2023). KI-Trendstudie 2023. ChatGPT in der Hochschule – Was Studierende und Lehrende denken.
- Gimpel, H. et al. (2023). Unlocking the Power of Generative AI for Higher Education – Eight Recommendations for Institutions and Educators. Universität Hohenheim.
- Jochim, J. & Lenz-Kesekamp, V. (2024). Prüfen im Zeitalter von ChatGPT und Co. In: Buche, A., Becker, K., Graeßner, G. (Hrsg.), Lehren und Prüfen – Empirische Ergebnisse und Reflexionen zu Hochschulen der Zukunft. BoD–Books on Demand.
- Solis, T. (2023). ChatGPT an deutschen Hochschulen: Was sagen die Richtlinien? Scribbr.
- Tobor, J. (2025). Recap: KI-Leitlinien als Beispiel für soziotechnische Aushandlungsprozesse. Hochschulforum Digitalisierung.

Mauritz Danielsson 
Peter van der Hijden 
Annalisa Biehl 