Lehrkräftebildung im KI-Zeitalter: Neue Ansätze für die Curricula des Lehramtsstudiums
Lehrkräftebildung im KI-Zeitalter: Neue Ansätze für die Curricula des Lehramtsstudiums
23.07.26
Der Einzug von KI macht auch vor Schulen nicht halt. Aber wie werden angehende Lehrkräfte eigentlich darauf vorbereitet? In diesem Blogbeitrag zeigt Jannica Budde, was der aktuelle Stand von der Einbettung von KI in den Curricula ist, und stellt verschiedene Ansätze vor, wie der Erwerb von KI-Kompetenzen im Lehramtsstudium verankert werden kann.
Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Entwicklung entsprechender Kompetenzen sind spätestens seit der Einführung von ChatGPT und anderer generativer KI zu zentralen Themen für das Lehramtsstudium geworden. Bislang sind sie jedoch nur selten in den Studiengängen verankert. Dabei ist ein fachspezifischer Zugang zu KI notwendig – nicht nur im Lehramt. Ansätze aus den MINT-Fachdidaktiken zeigte eine gemeinsame Veranstaltung von Monitor Lehrkräftebildung und HFD am 28.05.2026.
ChatGPT und Co. machen auch vor den Schulen nicht halt. Doch wie sieht es aus mit der Förderung von KI-Kompetenzen bei (angehenden) Lehrkräften? Zwar gibt es an vielen Hochschulen fachübergreifende Angebote zum Erwerb von KI-Kompetenzen für Studierende (KI-Monitor 2025), wie das im Februar 2026 veröffentlichte Factsheet des Monitor Lehrkräftebildung zeigt, steht die flächendeckende Integration von KI-Kompetenzen im Lehramtsstudium jedoch noch am Anfang.
Nur rund ein Drittel der befragten Hochschulen gab an, dass der Umgang mit künstlicher Intelligenz im Wintersemester 2024/25 ein Querschnittsthema in allen Lehramtstypen sei, also in mehreren Lehrveranstaltungen bzw. Modulen des Lehramtsstudiums behandelt werde. Verpflichtende Angebote, in denen der Erwerb von Kompetenzen zum Umgang mit KI im Schulkontext ein Schwerpunktthema darstellt, gab es allerdings in allen Lehramtstypen nur an wenigen Hochschulen.
Bei der curricularen Verankerung von KI im Lehramt geht es nämlich nicht nur darum, generisches Wissen über KI zu vermitteln, sondern domänenspezifische KI-Kompetenzen zu fördern. Für das Lehramt bedeutet dies, u. a. den reflektierten Umgang mit KI-gestützten Lernumgebungen und die Integration KI-gestützter Werkzeuge in schulische Unterrichtskonzepte zu behandeln – und zwar jeweils fachbezogen (vgl. Müller & Buchholtz, 2026).
Sebastian Becker-Genschow, Professor für Digitale Bildung mit Schwerpunkt Künstlicher Intelligenz an der Universität zu Köln, und Nils Buchholtz, Professor für Didaktik der Mathematik – Sekundarstufe sowie Prodekan für Studium, Lehre und Prüfungswesen an der Universität Hamburg, zeigen in der Aufzeichnung des MLB-Talks, wie domänenspezifische KI-Kompetenzen in das Lehramtsstudium integriert werden können.
So wird an der Universität zu Köln seit dem Sommersemester 2025 ein Seminarkonzept für Lehramtsstudierende im MINT-Bereich pilotiert. Dieses basiert auf dem Kompetenzrahmen DIKoLAN-KI (Digitale Kompetenzen für das Lehramt der Naturwissenschaften für den Unterricht mit und über Künstliche Intelligenz), an dessen Erstellung Becker-Genschow maßgeblich beteiligt war.
Das modular aufgebaute Seminar „KI im naturwissenschaftlichen Unterricht” hat das Ziel, KI-bezogene Kompetenzen bei Lehramtsstudierenden im Master gezielt zu fördern. Am Ende des Seminars entwickeln die Studierenden personalisierte KI-Chatbots für den Einsatz im eigenen Fachunterricht.

An der Universität Hamburg wird seit dem Sommersemester 2026 wiederum in den Lehramtsstudiengängen das Zertifikat „KI-Lotse” erprobt. Das Zertifikat ist als Micro-Credential konzipiert und besteht aus verschiedenen Modulen und Workshopangeboten.
Für das Zertifikat können sich die Studierenden auch die jeweilige fachdidaktische Einführung anrechnen lassen, die entsprechende Inhalte zu KI im Fach anbieten. Dementsprechend ist das Zertifikat so gestaltet, dass die jeweiligen beteiligten Fachdidaktiken eigene Inhalte für die Einbettung von Künstlicher Intelligenz setzen können.

Besonderer Clou ist die Prüfung zum Schluss: Die angehenden Lehrkräfte müssen ein digitales Werk, z. B. einen Prototyp für eine digitale Lernumgebung, entwickeln und in diesem Zusammenhang den Einsatz von KI reflektieren.
Shownotes/Weiterführende Literatur
- KI-Monitor 2025
- Factsheet Monitor Lehrkräftebildung
- Empfehlungen KMK
- Fallbeispiel Köln
- Fallbeispiel Hamburg
- AI Literacy Framework
- Müller & Buchholz (2026): Entwicklung eines Zertifikats „KI-Lotse“ in den Lehramtsstudiengängen der Universität Hamburg. In Mitteilungen der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik
Fazit
Künstliche Intelligenz bietet neue Gestaltungsmöglichkeiten für Lehr-/Lernprozesse in Schulen, etwa in Bezug auf die individuelle Förderung. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen bei Schülern und Schülerinnen aller Fächer, Schulstufen und Schularten zu fördern. „Das heißt: Kein Fach kann sich hier ausnehmen. Keine Lehrkraft, egal in welchem Fach, kann sich hier davon befreien lassen, KI-Kompetenzen zu vermitteln”, betont Becker-Genschow in seinem Vortrag.
Die Beispiele aus Köln und Hamburg zeigen eindrücklich, wie die Integration von KI in den Lehramtsstudiengängen aussehen kann. Doch beide Referenten betonen ausdrücklich, dass KI-Kompetenz nicht nur allgemein, sondern auch fachspezifisch vermittelt werden muss. KI kommt im Deutsch- oder Englischunterricht anders zum Einsatz als in den Naturwissenschaften oder in der Mathematik.
Die Vermittlung KI-Kompetenzen geht dabei in allen Fällen über Handlungs- und Umsetzungskompetenzen hinaus. Ethische Fragen zum Umgang mit Datenschutz und geschlechtsspezifischen Bias von KI stehen daher auf dem Lehrplan beider Projekte. Sowohl Sebastian Becker-Genschow wie auch Nils Buchholtz heben in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Haltung als wichtige Komponente der Kompetenzförderung hervor. „Die Studierenden sollen nach Möglichkeit eine gewisse Haltung zu KI entwickeln,” erläutert Buchholtz.
Insgesamt erscheint die curriculare Einbindung von KI im Lehramt zur Zeit jedoch nur sehr schleppend voranzukommen. Dies liegt laut Becker-Genschow und Buchholtz auch an den strukturellen Eigenheiten des Lehramts. So sind die Fachdidaktiken in der Regel den unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Fakultäten zugeordnet und sind damit in der ganzen Universität verteilt. Hinzu kommt, dass es im Lehramt kaum Spielräume für curriculare Experimente gebe, so Buchholtz.
Schließlich gibt es überall noch Beharrungskräfte und große Unsicherheiten im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Becker-Genschow empfiehlt seinen interessierten Kolleg:innen daher, Initiative zu zeigen. „Ich bin hoffnungsvoll, dass sich etwas tut”, so der Experte aus Köln.
Mehr Informationen zu der MLB-Talk-Reihe und weitere Termine finden Sie hier.
Autorin

Dr. Jannica Budde ist seit 2018 beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung als Senior Projektmanagerin im Hochschulforum Digitalisierung tätig. Seitdem hat sie unterschiedliche Aktivitäten im Bereich der Strategieentwicklung verantwortet, u.a. die Peer-to-Peer-Beratung sowie Transfer- und Qualifizierungsangebote für Hochschul- wie Fakultätsleitungen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit (Digitalen) Prüfungen und der Weiterentwicklung von Prüfungskultur, der Curriculumentwicklung und betreut den HFD 360°-Monitor.
Leon Adel 
Jens Tobor 
Philipp Leitner 