ChatGPT im Hochschulkontext – eine kommentierte Linksammlung

ChatGPT im Hochschulkontext – eine kommentierte Linksammlung

20.01.23

Titelbild zum Blogbeitrag "CHATGPT IM HOCHSCHULKONTEXT. Eine kommentierte Linksammlung mit aktuellen Beiträgen" Linkes Bild: Ein weißer Roboter auf dem BOT steht. Logo rechts unten: Hochschulforum Digitalisierung.

Seit dem 30. November 2022 ist GPT-3 von OpenAI frei und kostenlos zugänglich und hatte bereits innerhalb von fünf Tagen 1 Million Nutzer:innen erreicht. Seither sorgt ChatGPT (Generative Pre-trained Transformer) global ungebrochen für viel Aufsehen und mediale Aufmerksamkeit. Doch was genau steht hinter diesem Angebot?

ChatGPT ist ein Chatbot, der durch künstliche Intelligenz passende Antworten auf Fragen und Aufgaben generiert und so einen menschlichen Dialog simuliert. Die Fähigkeit des Bots, lange, flüssige Texte zu so gut wie allen Themen zu generieren, ist immer wieder verblüffend, jedoch nicht immer fehlerfrei und wahr. Trotzdem scheinen die Implikationen, die diese Technologie (und vergleichbare Assistenzsysteme) sowie deren Anwendung für die gesamte Gesellschaft, insbesondere aber auch für das Bildungssystem hat, fundamental. Wir sehen diesen Blogartikel daher als Beitrag zur Orientierung und als Versuch, diesen dynamischen Diskurs in einem kuratierten Zwischenstand abzubilden. Sie finden nachfolgend die aus unserem Blickwinkel interessantesten Fakten und Fragen zum ChatGPT speziell im Hochschulkontext. Wir haben relevante Stimmen und Stimmungen, Chancen und Risiken sowie Diskussionsbedarfe aufgenommen, die zentrale Aspekte dieser Entwicklung portraitieren. Die Spannung, wie sich diese Technologien weiterentwickeln und wie die Hochschulen damit umgehen (können), bleibt uns sicher noch länger erhalten, daher wird dieser Blog immer wieder erweitert bzw. aktualisiert werden [zuletzt: 7. Juni 2023].

Gibt es Artikel, die Sie in diesem Beitrag vermissen? Wir freuen uns, wenn Sie diese in einem Kommentar teilen oder uns eine E-Mail schicken. Vielen Dank!

Titelbild zum Blogbeitrag "CHATGPT IM HOCHSCHULKONTEXT. Eine kommentierte Linksammlung mit aktuellen Beiträgen" Linkes Bild: Ein weißer Roboter auf dem BOT steht. Logo rechts unten: Hochschulforum Digitalisierung.

Inhalt

Must-Reads: Die wichtigsten Publikationen zu ChatGPT im Hochschulkontext

Was ist ChatGPT und wie funktioniert der Bot?

ChatGPT im Hochschulbetrieb

ChatGPT in den Medien

Wie gut wird ChatGPT, wie geht es weiter?

Fazit

Auch hier wird über ChatGPT gesprochen

 

Must-Reads: Die wichtigsten Publikationen zu ChatGPT im Hochschulkontext

 

Was ist ChatGPT und wie funktioniert der Bot?

 

Die Fähigkeiten des neuen Chatbots überraschen viele, doch für Expert:innen war diese technische Entwicklung abzusehen:

Wie gut ist ChatGPT?

 

ChatGPT im Hochschulbetrieb

 

Ist der Hype gerechtfertigt, handelt es sich um eine “Zeitenwende” – auch für Hochschulen?

  • 🎦 ChatGPT: Europa darf den Anschluss nicht verpassen (26.04.2023): Video-Aufzeichnung des Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Bundestag.
  • 📰 Zur Bedeutung von ChatGPT & der Notwendigkeit eines progressiven Umgangs mit KI-Technologien im Hochschulbereich – Ein Zwischenstand in 6 Thesen (08.02.2022): Julius-David Friedrich und Jens Tobor laden mit einer Diskussionsvorlage dazu ein, Standpunkte für dich Hochschullehre zu entwickeln.
  • 📰 ChatGPT ist erst der Anfang (19.12.2022): Weßels et al. erläutern in diesem HFD-Blogbeitrag, wie KI-Sprachmodelle in Bildungsprozessen eingesetzt werden können und weshalb die Frage nach dem ‘Ob’ der Verwendung von KI-Tools längst fehl am Platz ist. Sie sagen: “Wir benötigen ‘grundsanierte’ neue Lehr- und Lernsettings und müssen insbesondere unsere Lehr-, Lern- und Prüfungskultur an deutschen Schulen wie auch Hochschulen überdenken.”
  • 📰 Ein Bot als Herausforderung: Chat GPT (03.01.2023): In diesem Artikel, der auch eine Linksammlung enthält, beschreibt Elke Höfler in ihrem Blog “Digitalanalog.” wie ChatGPT aktuell die Gemüter erhitzt, und rät zur kritischen Reflexion. Sie sagt: “Was mich an der Diskussion um ChatGPT so verwundert (ärgern tut’s mich schon lange nicht mehr), ist der Umstand, dass wir schon wieder mit einer Diskussion beginnen, die irgendwie seltsam ist.”
  • 📰 “Zeit nehmen, mit ChatGPT zu arbeiten – nicht zu spielen” (09.03.2023): Gastbeitrag von Nadine Lordick, die am Projekt KI:edu.nrw der Ruhr-Universität-Bochum (siehe Rechtsgutachten) mitarbeitet und Expertin für KI-Schreibtools ist. Sie rät Lehrenden, ernsthaft mit ChatGPT zu arbeiten und sich genau zu überlegen, wo der Einsatz in der Lehre sinnvoll ist. Beratung und Unterstützung können sie in didaktischen Einrichtungen wie Schreibzentren finden.

Prüfungen

 

Viele Diskussionen und Schlagzeilen in Bezug auf ChatGPT drehen sich aktuell um Prüfungen und die Möglichkeiten von Manipulationsversuchen. Kann man erfolgsversprechende Qualifikationsarbeiten maschinell erstellen lassen? Und wenn ja – (wie) kann das verhindert werden? Verschiedene Ansätze werden diskutiert:

Darüber hinaus werden bereits technische Prüfmaßnahmen diskutiert:

Wie vielversprechend ist die Idee, KI mit KI zu bekämpfen? Erste Einschätzungen sind eher zurückhaltend:

Ein 📰 umfangreiches Rechtsgutachten des Projekts KI:edu.nrw der Ruhr-Universität Bochum und der WWU Münster kommt zum Schluss, dass KI keine Urheberschaft zugeschrieben werden kann und dass Verbote nicht zielführend sind.

Generell sind kreative, kompetenzorientierte und kommunikative Prüfungsformen von den neuen Möglichkeiten, die sich durch ChatGPT eröffnen, eher nicht betroffen. Könnte ChatGPT also den Anlass bieten, die schon länger diskutierte Umorientierung im Prüfungswesen zu realisieren?

  • Prof. Dr. Christian Spannnagel schlägt in einer Veröffentlichung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg 📄 Rules for Tools vor, die verfügbare Anwendungen bis auf begründete Ausnahmen einschließen.
  • 📰 AI transforming higher education? How a chatbot might bring the change we’ve all been waiting for (19.12.2022): Dolderer hofft in seinem HFD-Blogbeitrag, dass Hochschulen jetzt ihre Verantwortung gegenüber Studierenden erkennen und fragt sich, wie Studierende in der Lehre auf das vorbereiten werden können, was KI und Technologien wie ChatGPT in zehn Jahren leisten werden.
  • 🎦 ChatGPT in der modernen Lehre (21.12.2022): In diesem einstündigen Video sprechen Doris Weßels und Katharina Zweig über Chancen und Risiken von ChatGPT in der modernen Lehre. Der Vortrag enthält Beispiele und Vorschläge, wie ChatGPT in Prüfungssituationen eingesetzt werden kann.
  • In ihrem Blogbeitrag 📰 ChatGPT und Täuschung in Schule und Hochschule (02.02.2023) beschäftigt sich die Rechtsanwältin Sibylle Schwarz mit den Begriffen „Täuschung“ und „Plagiat“.
  • 📰 Prüfungsrechtliche Fragen zu ChatGPT (Februar 2023): Tilmann Fleck (Stabsstelle IT-Recht der bayerischen staatlichen Universitäten und Hochschulen, c/o Universität Würzburg) diagnostiziert in seiner Auseinandersetzung mit Prüfungs- und Urheberrecht einen Bedarf, bestehende Regeln zu ändern.

Viele aktuelle Berichterstattungen rund um ChatGPT konzentrieren sich auf die Überlegung, wie sich verhindern lässt, dass Studierende bei Prüfungen betrügen könnten. Dies scheint in zweierlei Hinsicht verkürzt: Zum einen sind Prüfungen nicht das einzige akademische Anwendungsfeld, und zweitens sind Studierende nicht die einzigen Anwender:innen.

Was kann ChatGPT also darüber hinaus für den akademischen Betrieb bedeuten?

Akademisches Schreiben und Recherche

 

  • 📰 Das Tool deckt auf, was im Wissenschaftsbetrieb falsch läuft: In diesem Artikel in der Wirtschaftswoche (15.12.2022) erklärt Robert Lepenies, Präsident der Karlshochschule International University in Karlsruhe, dass er neben den Risiken vor allem die Chancen der neuen Sprach-KI ChatGPT im universitären Umfeld sieht. Er sagt: “Wichtig ist, dass die alten Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und das Nachdenken im Kern erhalten bleiben – nur eben unter anderen Voraussetzungen.”
  • 📰 Studierende werden nicht dümmer durch KI, aber sie können klüger wirken, als sie sind: Robert Lepenies gab auch der Plattform watson ein Interview (10.12.2022). Er sieht herkömmliche Prüfungsformen und Hochschulen unter Druck, die sehr textbasiert arbeiten – es brauche kreative Alternativen. Er sagt: “[ChatGPT] ist ein weiteres Hilfsmittel und ein Tool, das intelligent oder weniger intelligent genutzt werden kann.”
  • In seinem Gastbeitrag 📰 Wer hat Angst vor ChatGPT? (10.01.2023) bei Jan-Martin Wiarda fordert Jörn Schlingensiepen aus Perspektive der Ingenieurwissenschaften, sich auf Disziplinen-spezifische, relevante Kompetenzen bei der Textproduktion zu besinnen und geeignete Hilfsmitteln einzubinden: Er schreibt: “Wie bei jedem technischen Fortschritt werden sich das Vorgehen bei der Erstellung einer Arbeit und die Erwartung an das Ergebnis weiterentwickeln. Vielleicht erwarte ich von meinen Studierenden in Zukunft im Rechercheteil sogar, dass sie bewusst Zusammenfassungen von Systemen wie ChatGPT nutzen.”
  • 📰 Warum ChatGPT nicht das Ende des akademischen Schreibens bedeutet (03.01.2023): Martin Rademacher verdeutlicht, dass Bildung über KI, also ein richtiges Verständnis von Funktionsweise von KI (und Sprachgeneratoren), in Bezug auf eventuelle Befürchtungen hilft. Er sagt: “Die Gefahr liegt nicht darin, dass Textgeneratoren das akademische Schreiben obsolet machen. Die Gefahr liegt darin, dass der KI Fähigkeiten zugeschrieben werden, die diese nicht besitzt, und sie somit schlimmstenfalls zur Quelle von Desinformation wird.”
  • 📰 Wettervorhersage für die Zivilisation: In ihrem LinkedIn-Artikel (23.12.2022) schreibt Dr. Miriam Meckel, Professorin für Corporate Communication an der Universität St. Gallen, der Chat-Bot läute die nächste Generation der Internetsuche ein – Bildung müsse neu erfunden werden. Sie sagt: “Das Verständnis darüber, wie solche generativen KI-Systeme funktionieren […] gehört ab sofort in jedes Schul- und Universitätscurriculum.”
  • 📰 Universität Tübingen beschränkt Nutzung von ChatGPT (01.02.2023): Die Universität Tübingen hat den Einsatz des Bots für Studierende und Forschende stark eingeschränkt.
  • 📰 Ein KI-Schreibpartner als Ausweg aus der Ideenlosigkeit? (10.02.2022): In Ihrem Blogbeitrag für den KI-Campus ermutigt Prof. Dr. Doris Weßels dazu, sich auf kollaborative Schreibprozesse einzulassen. Sie sagt: “Woher jetzt spontan eine Idee nehmen, einen Aufhänger, einen passenden Einstieg für meinen Blogbeitrag für den KI-Campus? Gäbe es da nicht meine allzeit bereiten KI-Schreibpartner, wäre ich wohl zum Scheitern verurteilt.”
  • 📰 Mit ChatGPT Hausarbeit schreiben? (21.02.2023): Stimmen wissenschaftlicher Autor:innen, die ihre Einschätzungen zu ChatGPT teilen und wertvolle Argumente liefern, weshalb ChatGPT in Zukunft nicht das Generieren von Hausarbeiten übernehmen wird.
  • 📰 KI-gestützes Schreiben im Studium der Logopädie. Ein Beitrag über Künstliche Intelligenz, Plagiat und Clinical Reasoning (Mai 2023): Der Beitrag von Prof. Dr. Wiebke Scharff Rethfeld und ChatGPT gibt einen exemplarischen Einblick in die Möglicheiten des KI-gestützten Schreibens und wirft dabei Fragen auf, die sich auch für Lehrende in Ausbildung und Studium der Logopädie sowie schließlich in der Praxis stellen.
  • 📚 Übrigens: Auch Verlage müssen für den Umgang mit textgenerierender KI neue Regeln finden. Der renommierte britische Wissenschaftsverlag Cambridge University Press hat ein Regelwerk aufgestellt (14.03.2023), das inhaltlich stark dem Rechtsgutachten der Ruhr-Universität Bochum ähnelt.

Lehre

 

Zeit- und Ressourcenmanagement ist ein wichtiges Thema an Universitäten. Könnte die KI Lehrende entlasten – etwa bei Vorbereitung, Erstellung von Folien, gar Korrekturen – und dadurch mehr Ressourcen für die persönliche Betreuung schaffen?

ChatGPT in den Medien

 

Selten hat ein Thema aus dem Bereich digitale Bildung innerhalb kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Schlagzeilen reichweitenstarker Medien aus den vergangenen Wochen zeigen, wie hoch die Wogen zum Teil schlagen:

Wie gut wird ChatGPT, wie geht es weiter?

 

Das Argument, dass ChatGPT nicht gut genug oder nur für begrenzte Zeit frei zugänglich sei, trägt womöglich nur kurz:

Fazit

 

Ob Hype oder nicht – ChatGPT wird nicht wieder verschwinden, auch nicht von der Landkarte des Bildungsdiskurses. Nicht zuletzt, weil zahlreiche Aspekte berührt werden, die uns in Diskussionen und Agenden rund um digitale Hochschulbildung schon länger beschäftigen:

  • Wie können zeitgemäße, kompetenzorientierte Prüfungsformate aussehen, die Feedback vermitteln und digitale Kompetenzen einschließen?
  • Wie können digitale Kompetenzen flexibel und entwicklungsoffen in Curricula verankert werden?
  • Welche Kompetenzen und Aufgabenfelder sollten für Lehrende im Mittelpunkt stehen?

Weitere Diskussionspunkte könnten lauten:

  • Wissensmanagement ist ein großes und schwieriges Thema, sowohl in der Forschung (was durch die Vielzahl an Publikationen zum Thema verdeutlicht wird) als auch in der Lehre (u.a. im Open-Educational-Resources-Diskurs). Kann ChatGPT diesbezüglich entlasten, oder trägt der Bot zu einer weiteren Informationsüberflutung (mit gesteigertem Überprüfungsbedarf) bei?
  • Auch im Diskursfeld der wertebasierten KI sind viele Fragen noch unbeantwortet.

Auch hier wird über ChatGPT gesprochen

 

Social Media

 

Relevante Hashtags lauten: #ChatGPT, #ChatGPT3, #ChatGPT4, #openAI, #lernenmitKI; #KI

@learnGPT: Unter diesem Handle werden Tipps für einen poduktiven Umgang mit ChatGPT gesammelt

 

Weitere Linksammlungen

 

Events

 

 

Communities, Vernetzung

 

💬 Diskussionskanal auf Mattermost

💜 Virtuelles Kompetenzzentrum – Schreiben, lehren und lernen mit KI – Tools und Techniken für Bildung und Wissenschaft (VK:KIWA)

💬 ChatGPT-Community auf Discord

Auch der 🚀 European Digital Education Hub (EDEH) bietet Aktivitäten zum Thema AI an
(Bitte beachten Sie, dass Sie ein registriertes Mitglied von EDEH sein müssen, um an diesen Aktivitäten teilnehmen zu können. Hier finden Sie den Link zur Anmeldung.)

Die Präsentationen zu einem Webinar finden Sie hier.

Eine Online-Arbeitsgruppe wird im Februar die Arbeit aufnehmen und ca. sechs Monate laufen (Call for participants, Deadline 31.01.2023).

„Ask Me Anything“-Session mit Manuel Dolderer am 02.02.2023, 12:00 Uhr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert