[bridge] – erfolgreiches e-Learning im Verbund

Ein regionaler Verbund für den Austausch und die Weiterentwicklung von Kompetenzen der Lehrenden und Vertreter(innen) an den Hochschulen - so entstanden in Nordrhein-Westfalen mit dem Projekt [bridge]. In diesem Beitrag beschreiben Prof. Dr. Marion Halfmann von der Hochschule Rhein-Whaal und Anja Kirberg von der Universität Duisburg-Essen die gemeinsame Arbeit im Verbund und geben Tipps für ähnliche Projekte.

Digitalisierung in Lehre und Studium als Kooperationsaufgabe – ein Beispiel aus NRW

Digitale Lehre ist für die meisten etablierten Hochschulen Chance und Herausforderung zugleich: Chance, weil Digitalisierung flexibles Lernen ermöglicht und auch Studierende erreicht werden können, die aufgrund von verschiedenen Umständen Präsenzveranstaltungen nicht in gefordertem Umfang besuchen können. Zudem können neue Formen effektiven Prüfens umgesetzt und wertvolle Informationen für die Weiterentwicklung von Studium und Lehre gewonnen werden. Umsetzungsprobleme liegen jedoch häufig bei Ressourcen und Know-How. Es scheint kaum möglich, dass Lehrende und eLearning-Verantwortliche in gleicher Geschwindigkeit Kenntnisse und Erfahrungen aufbauen wie sich die digitale Welt ändert. Hinzu kommen beträchtliche Finanzierungsbedarfe für Infrastruktur und Personal, die gerade für kleine Hochschulen große Hürden bedeuten können. Nichts liegt daher näher als Digitalisierung im Verbund anzugehen, um durch Bündelung der Kräfte verschiedener Akteure mehr zu erreichen als im Alleingang.

BrückeMehrere Drähte halten eine Brücke. Foto: [https://unsplash.com/photos/TiDl4gF0GOw Yuriy Trubitsyn]

Ein Beispiel eines solchen Verbundprojektes bildet die Digitale Hochschulbrücke westliches Ruhrgebiet / Niederrhein, kurz: [bridge]. Anders als bei anderen Kooperationen basiert [bridge] auf der Zusammenarbeit von gleich vier Hochschulen unterschiedlichen Typs und Größe. Der größte Partner (gemessen an der Zahl der eingeschriebenen Studierenden) ist die Universität Duisburg-Essen (UDE), die bereits jahrelange Erfahrung durch erfolgreiche Strategieentwicklung im eLearning mitbringt und eine koordinierende Rolle im Projekt übernimmt.  Neben der UDE sind mit der Hochschule Niederrhein, der Hochschule Rhein-Waal und der Hochschule Ruhr-West drei Fachhochschulen aus der Region mit an Bord, die sich hinsichtlich ihrer Ausrichtung und Historie sinnvoll ergänzen und teilweise bereits auf anderen Feldern miteinander kooperieren. Das Projektvorhaben wurde von Beginn an durch die Hochschulleitungen, die im Lenkungskreis vertreten sind, aktiv mit gefördert und unterstützt.

Das Kooperationsprojekt [bridge] wird seit 2017 über eine Laufzeit von zwei Jahren durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Zusätzlich bringen alle beteiligten Hochschulen noch Eigenmittel auf, so dass an jeder Hochschule Mitarbeiterkapazitäten zur Verfügung stehen.

 

Projektvision: Kräfte bündeln, Innovationen vorantreiben, Effizienz heben

Zur Vorbereitung der Förderphase starteten bereits im Jahr 2016 erste Abstimmungsrunden zwischen den beteiligten Hochschulen, um Einigung über eine Projektvision und –ziele zu erzielen. Konsens der Beteiligten war, dass der gemeinsame Angang einerseits Effizienzverbesserungen zur Folge haben sollte, andererseits aber durch Synergien zu neuen Angeboten im Bereich eLearning führen sollte.

Nach einer Sondierungsphase, in der insbesondere über generelle Projektziele und mögliche Aufgabenteilungen zwischen den beteiligten Partnern gesprochen wurde, wurde nach dem Vorbild der Methode des Design Thinking die Anforderungen der unterschiedlichen Stakeholder im Projekt systematisch erhoben. Dazu kamen eine Reihe von Maßnahmen wie Experteninterviews in den Hochschulen, kollegiale Workshops und Arbeitstreffen mit den IT-Verantwortlichen zum Einsatz. Auf diese Weise konnten nicht nur wesentliche Elemente des Projektkonzepts „kundennah“ entwickelt werden, sondern es war auch gewährleistet, dass wichtige Ansprechpartner und Multiplikatoren an allen Hochschulen von Anfang mit eingebunden waren.

 

Kollegiale Workshops und kooperative Arbeitsformen als Kernelemente

Auf Basis der ausführlichen Situationsanalyse wurde der Ansatz weiterverfolgt, an den einzelnen Hochschulen aufeinander abgestimmte Serviceleistungen bereit zu stellen, die die jeweiligen Stärken der Partner berücksichtigen und sich gut ergänzen. Kernstück der Zusammenarbeit sind kooperative Arbeitsformen wie z.B. regelmäßig stattfindende kollegiale Workshops, bei denen beispielsweise Ideen für gemeinsame Lehrprojekte wie z.B. ein gemeinsamer Fragenpool „Sicherheitsunterweisungen mit Moodle“ oder eine übergreifende Internetpräsenz der Makerspaces / FabLabs an den Hochschulen  entwickelt werden. Die kollegialen Workshops, die in unterschiedlicher Zusammensetzung mit Vertretern aller Hochschulen stattfinden, dienen vor allem den folgenden Zielen:

  • Austausch zwischen Lehrenden und Vertreter*innen der Serviceeinrichtungen zu vorhandenen Erfahrungen, Kompetenzen und Arbeitsprozessen
  • Kennenlernen von digitale Lehr-Lern-Konzepte der Kolleg*innen
  • Vernetzung für kooperative Arbeitsformen
  • Möglichkeit des direkten Feedbacks der Lehrenden und Vertreter*innen der Serviceeinrichtungen zur Entwicklung des Verbundprojekts

Am Beispiel kollegialer Workshops zum Thema Videostreaming kann die Vorgehensweise verdeutlicht werden: Im Rahmen verschiedener Diskussionsrunden tauschen sich Hochschulangehörige über die technischen und didaktischen Aspekte des Themas zunächst relativ allgemein aus. Schwerpunktthemen der Serviceverantwortlichen lagen dabei in den Bereichen der technischen Umsetzung sowie in den konkret genutzten Streaming-Plattformen. Die Lehrenden hingegen legten den Fokus auf den Austausch über didaktische  Optionen sowie gemeinsame Einsatzszenarien. Durch den Austausch in der kollegialen Workshopreihe können einheitliche Infrastrukturen geschaffen werden, die eine optimale Zusammenarbeit der Hochschulen im Verbund erst ermöglichen. Eine Sammlung bewährter Lehrbeispiele sowie der Austausch über didaktische Szenarien sind vorteilhafte, weitere Ergebnisse der Workshops.

GrafikAbbildung 2: Darstellung der anvisierten Ziele bei Durchführung einer Kollegialen Workshopreihe zum Thema Videostreaming. Grafik: [http://bridge.nrw/ bridge]

Übergeifende Sichtbarkeit sicherstellen

Neben komplementären Digitalisierungsinitiativen, die an den Partnerhochschulen unterschiedlich ausgestaltet sind, aber zentral koordiniert werden, verfolgt das Verbundprojekt [bridge] hochschulübergreifende Ansätze, die gemeinsam umgesetzt werden. Sehr erfolgreich wurde eine gemeinsam organisierte Schulungsreihe zur Lernplattform Moodle, die an allen Standorten genutzt wird, ins Leben gerufen. Eine gemeinsame Internetpräsenz, die unter bridge.nrw erreichbar ist, sowie ein gemeinsam entwickeltes Projektlogo sorgen dafür, dass die Verbundarbeit hochschulintern und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Über den Internetauftritt des Projektes ist auch die vereinfachte Anmeldung zu Workshops möglich. Derzeit in der Entwicklung ist ein zentrales Service- und Abrechnungsmodell, das gewährleisten soll, dass Beiträge und Aufwände der Partner verursachungsgerecht vergütet werden können.   

 

Vorteile der Digitalisierung im Verbund

Logo.Logo des Verbundprojektes [bridge] Quelle: [bridge]

Digitalisierung stellt die Hochschulen vor neue Herausforderungen, die in vielen Bereichen besser gemeinsam als isoliert bewältigt werden können. Die geschilderte Form der Zusammenarbeit, bei der Stärken einzelner Partner für alle Beteiligten nutzbar gemacht werden ohne dabei das Alleinstellungspotenzial der Hochschulen zu vernachlässigen, birgt vielfältige Potenziale. Die augenfälligsten Vorteile der Zusammenarbeit im Verbund [bridge] sind:

  • Profilbildung der beteiligten Hochschulen: [bridge] ist nicht nur ein Beitrag zur Profilbildung der Hochschulen, sondern auch der Hochschulregion im Bereich Studium und Lehre mit dem Querschnittsthema Digitalisierung. Der gemeinsame Außenauftritt führt dazu, die Region des westlichen Ruhrgebiets / des Niederrheins als attraktive Studienregion mit einem digitalen Profil zu präsentieren.
  • Optimierung von Organisationsstrukturen: Durch Vereinheitlichung von Services und gemeinsamen Qualitätsstandards kann finanzieller und zeitlicher Implementierungsaufwand reduziert werden. Neben Effizienzverbesserungen entwickelt sich eine Kooperationskultur, die künftig dazu führt, dass parallele Entwicklungen vermieden werden.
  • Perspektiven für die Lehre: Die Aufwertung der Themen rund um digitales Lernen und Lehren bildet einen Nebeneffekt mit unschätzbarem Wert. Die entsprechend engagierten Hochschulangehörigen profitieren von der größeren Sichtbarkeit sowie von der Möglichkeit, Open Content miteinander zu teilen und auf einen gemeinsamen Pool von Informationen zugreifen zu können.

 

Fazit: 5 Tipps zur übergreifenden Verbundarbeit

Richtig umgesetzt haben Hochschulverbünde bei der Umsetzung der Herausforderungen der Digitalisierung Zukunft. Bei der Zusammenarbeit im Umfeld von [bridge] haben sich einige Faktoren als erfolgskritisch herausgestellt, auf die besonders geachtet werden sollte:

  1. Ein Verbund bietet sich vor allem an, wenn die beteiligten Hochschulen regional nicht zu weit voneinander entfernt liegen. Eine Entfernung, die „in fahrbarer Nähe“ liegt, trägt dazu bei, dass Entscheidungen schneller getroffen werden können und sich die Kooperation intensiviert.
  2. Es ist wichtig, sich von Anfang an auf ausgewählte, konkret formulierte Handlungsfelder zu konzentrieren. Leicht unterliegt man der Versuchung, sich aufgrund der vielfältigen Handlungsnotwendigkeiten nicht klar auszurichten, so dass am Ende nur wenige Maßnahmen richtig umgesetzt werden. „Weniger ist mehr“ könnte daher eine wichtige Maxime der Verbundarbeit sein.
  3. Gleiches gilt auch für die Wahl der Partner bzw. die Größe des Verbunds: Gerade zu Beginn der Zusammenarbeit ist es sinnvoll, mit einer überschaubaren Zahl von Hochschulen zu starten, um die Zusammenarbeit in kleinem Rahmen auszuprobieren und optimieren zu können. Sobald Strukturen geschaffen sind, kann der Verbund vergrößert werden.
  4. Als besonders tragfähig hat sich die Kooperation von Hochschulen unterschiedlichen Typs und unterschiedlicher Ausrichtung erwiesen. Gerade die Kooperation von (Fach-)hochschulen und Universitäten birgt viel Potenzial: Während an den angewandten Hochschulen z.B. die FabLabs / Makerspaces oft stärker ausgebaut sind, punkten die Universitäten potenziell mit akademischeren Ansätzen. Die wachsende Kommunikation durch eine Kooperation kann zu neuen Ansätzen führen, wie eine Zusammenarbeit zwischen Hochschulen unterschiedlichen Typs in anderen Bereichen gestaltet werden kann.
  5. Die rechtzeitige Einbeziehung aller Akteure im Bereich Digitalisierung ist eine der wichtigsten Erfolgsvoraussetzungen. Am Besten gelingt dies durch einen  kombinierten Top-Down und Bottom-Up Ansatz: Das Projekt ist prinzipiell auf der Ebene der Hochschulleitung verortet und wird von dieser Seite aus aktiv unterstützt. Gleichzeitig ist durch die Organisation von kollegialen Workshops und weiteren kooperativen Arbeitsformen die Einflussnahme der Lehrenden und der Vertreter*innen der Serviceeinrichtungen jederzeit garantiert.
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