Remote-Labore in Deutschland - Auftakt der Community Working Group

Die im Herbst 2018 gegründete Community Working Group „Remote-Labore in Deutschland“ hat sich zum Ziel gesetzt, die in Deutschland vorhandenen Remote-Labore bekannter zu machen und miteinander zu vernetzen.

„Man begreift nur, was man selbst machen kann, und man faßt [sic] nur, was man selbst hervorbringen kann.“1
Johann Wolfgang von Goethe

Grafische DarstellungTechnischer Aufbau eines Remote-Labors

Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe ist auch nach über 200 Jahren noch gültig und ist vielleicht heute sogar noch wichtiger, da die Verknüpfung von Theorie und Praxis in den Kontexten digitaler Prozesse und deren Übertragung auf die Realität besonders wichtig und herausfordernd ist. Eine Möglichkeit zur Verknüpfung von Theorie und Praxis im Kontext von Digitalisierung sind sogenannte Remote-Labore, welche zunehmend auch in der ingenieurwissenschaftlichen Lehre Anwendung finden. Dabei können Lernende über das Internet auf reale Experimentiereinrichtungen zeit- und ortsunabhängig zugreifen und experimentieren.

Die Abbildung zeigt den konzeptionellen (technischen) Aufbau eines Remote-Labors. Die User können mit einem PC oder einem vergleichbaren System (1) über einen Web-Server (2) auf das Experiment (4) zugreifen, dieses konfigurieren und steuern. Häufig ermöglicht eine Kamera (3) die Beobachtung des Experiments. Abschließend erfolgt z.B. der Download der generierten Messdaten. Die Bandbreite von Remote-Laboren reicht dabei von eng vorkonfigurierten Experimenten bis hin zu Lösungen, welche durch eine Vielzahl frei bestimmbarer Parameter ein nahezu freies Experimentieren für die Lernenden möglich machen– also der genaue Gegensatz zu einem linearen Video auf YouTube.

Neben der reinen technischen Entwicklung der Remote-Labore ist auch die (fach-) didaktische Perspektive nicht zu vernachlässigen. Nur wenn technisch gut entwickelte Remote-Labore didaktisch und methodisch sinnvoll in Vorlesungen, Übungen oder Online-Kurse integriert 1 Goethe, Briefe. An Carl Friedrich Zelter, Weimar, 28. März 1804 werden, ist ein Mehrwert für Lernende gegeben. Daher ist der Austausch zwischen der Entwicklungsperspektive auf der einen und der Ingenieurdidaktik auf der anderen Seite besonders wichtig. Die Community Working Group „Remote-Labore in Deutschland“ versucht diese bisher bestehende Lücke zu schließen. Es fand daher am 17. und 18. Dezember 2018 ein Experten-Workshop statt. Neben den deutschen Expertinnen und Experten von insgesamt 15 Hochschulen und einem Fraunhofer-Institut präsentierten zwei international Experten ihre Arbeiten zu Remote-Laboren. Im Folgenden werden die Ergebnisse der beiden Tage kurz zusammengefasst.

LandkarteBeteiligte Standorte der Community Working Group

Tag 1:

Der erste Tag stand unter dem Zeichen „Kennenlernen“. In einem ersten Schritt haben sich die einzelnen Expertinnen und Experten und die jeweiligen Projekte vorgestellt. Am Nachmittag erfolgten dann beiden Talks der internationalen Experten. Dominik May, Assistant Professor – University of Georgia, College of Engineering, Engineering Education Transformations Institute (EETI), sprach in seinem Talk „Internationalisierung durch Remote Labore am Beispiel des MMT – Master of Science in Manufacturing Technology an der TU Dortmund“ über die Möglichkeiten von Remote-Laboren zur Internationalisierung der Lehre. Pablo Orduña, CEO von LabsLand, blickte in seinem Talk „LabsLand – experiment for real“ auf die technische Perspektive von Remote-Laboren. Im Anschluss ergab sich eine lebendige Diskussion und nach einer kurzen Feedback-Runde wurde der Austausch bei einem gemeinsamen Abendessen fortgesetzt.

Tag 2:

Der zweite Tag gliederte sich in verschiedene Arbeitsphasen. Zum einen haben sich Kleingruppen zu den Themen „Evaluation von Remote-Laboren“ und „Technische Frameworks für die Implementierung von Remote-Laboren“ zusammengefunden und ausgetauscht. Zum anderen wurden in weiteren Kleingruppen mögliche Produkte der Community Working Group definiert. Hier stellte sich heraus, dass die didaktische Entwicklung nicht immer parallel zur technischen Entwicklung berücksichtigt wird. Daher zeigte es sich als großer Mehrwert, dass die Kleingruppen interdisziplinär gearbeitet haben. 

GruppenbildExpertinnen und Experten der Community Working Group

Fazit des Experten-Workshops:

Es kann ohne Zweifel festgehalten werden, dass der Experten-Workshop im Dezember 2018 ein voller Erfolg war. Dank des Hochschulforums Digitalisierung haben sich zum ersten Mal Akteurinnen und Akteure im Bereich der Remote-Labore aus Deutschland getroffen. Die hohe Anzahl an Teilnehmenden war selbst für das Kernteam überraschend und zeigt, das Remote-Labore schon jetzt einen sinnvollen Beitrag zur Digitalisierung darstellen. Allerdings werden die Remote-Labore oftmals noch individuell entwickelt und eingesetzt. Daher werden die Aktivitäten der Community Working Group vor allem im Sinne der Vernetzung der Remote-Labore fortgesetzt. Auf der Seite http://www.remote-labore.de sind nun erstmalig die in Deutschland agierenden Akteurinnen und Akteure sichtbar.

Nächstes Treffen:

Das nächste Treffen der Community Working Group findet schon am 5. März 2019 von 14 Uhr bis 18 Uhr an der Universität Leipzig im Rahmen der 48. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik statt. Interessierte sind zu diesem Treffen, auch ohne Teilnahme an der Jahrestagung, herzlich eingeladen. Bitte eine kurze Anmeldung per E-Mail an tobias.ortelt@tu-dortmund.de.

1 Goethe, Briefe. An Carl Friedrich Zelter, Weimar, 28. März 1804

CC-BY-SA LogoDieser Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International - CC BY-SA 4.0. Bitte nennen Sie bei einer möglichen Nachnutzung den angegebenen Autorennamen sowie als Quelle das Hochschulforum Digitalisierung.

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