Studie: Open Science in Higher Education

Hochschulforum Digitalisierung

Der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 untersucht transdisziplinär die Auswirkungen von Science 2.0 auf Wissenschaft und Gesellschaft. Eines der Projekte beschäftigt sich mit Open Science in der (Hochschul-) Lehre.

CollaborationOffener und kollaborativer Wissensaustausch. Bild: [https://unsplash.com/photos/UCZF1sXcejo Štefan Štefančík]

Wie nutzen Lehrende Open Science-Methoden in ihren Hochschulkursen? Dieser Frage geht eine Umfrage nach, die im Februar 2017 durchgeführt wurde. Nun wurden die ersten Ergebnisse der Studie als Poster auf der Open Science Konferenz präsentiert. Professor(inn)en, Wissenschaftliche Mitarbeiter(innen) und Lehrkräfte verschiedener Disziplinen wurden zu fünf Hauptthemen von Open Science befragt. Es ging unter anderem um das in der Lehre eingesetzte Material, das Bewusstsein für OER, deren Einsatz und Entwicklung, Verwendung von kollaborativen Werkzeugen in den Kursen, sowie Möglichkeiten der Beteiligung und Bewertung durch die Studierenden.

Grafiken aus der Studie zu Open ScienceAusschnitt der Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse aus der Online-Umfrage mit Beteiligung von 210 Personen zeigen, dass Lehrende bei der Auswahl ihrer eingesetzten Materialien eher auf Aktualität, Kosten für die Lernenden und einfachen Zugriff achten und offene Lizenzen vernachlässigen. Obwohl die Mehrheit der Befragten hauptsächlich digitale Quellen nutzt, machen sich lediglich 77 % die Nutzungsbedingungen des jeweiligen Materials bewusst. 40 % setzen in der Lehre OER ein, am beliebtesten sind akademische Paper, E-Books, Vorlesungsskripte, Übungen und Projekte.

Nur die Hälfte dieser Personen, die OER in der Lehre zum Einsatz bringen, stellen auch selbst Materialien her. Ganz oben stehen auch hier Slides, Artikel und Vorlesungsskripte. Der Arbeitsaufwand und ein Mangel entsprechender Kenntnisse hielten von der Erstellung eigener OER-Materialien ab. Diejenigen, die keine OER einsetzen, gaben an, von OER noch nie gehört zu haben oder keine guten OER für ihre jeweilige Disziplin zu kennen.  

Die meist eingesetzten Tools für die Kollaboration und Diskussion mit den Studierenden sind E-Mail, Videochat, Schreibtools, offene Tools und Lernplattformen. Für die Bereitstellung von Lernmaterialien werden am häufigsten Filesharing-Dienste, Lernplattformen, Literaturverwaltungswerkzeuge, geschlossene Wikis und E-Mail verwendet. Die Mehrheit der befragten Lehrenden räumt den Lernenden die Möglichkeit ein, bestimmte Inhalte des Kurses mitzubestimmen. Die Personen, die sich gegen eine Mitbestimmung von Studierenden entschieden, begründen dies mit der starken inhaltlichen Vorgabe des zu bewältigenden Stoffes, generell fehlender Zeit oder dem geringen Vorwissen der Kursteilnehmer(innen). 

Hintergrund

Open Science und die Science 2.0 Bewegung bilden einen wesentlichen Aspekt von Wissenschaft und sollten daher Bestandteil der wissenschaftlichen Lehre sein. Durch die aktive Einbindung von Studierenden soll ihnen der Einstieg in die Wissensgemeinschaft erleichtert werden. Grundlage für den effektiven Umgang mit den Prinzipien offener Wissenschaft und den entsprechenden Werkzeugen, ist eine gute Kompetenzvermittlung. Demzufolge ist das Ziel der Arbeitsgruppe eine "gemeinsame disziplinunabhängige Basis" zu schaffen, um sowohl Studierende als auch Lehrende an Open Science heranzuführen. In einem offenen und kollaborativen Wissensaustausch über Methoden, Lernziele und Kompetenzen soll eine Verständigung zu Open-Science-Ansätze in der Lehre erfolgen. Ein disziplinunabhängiger Referenzrahmen über Lernziele und -inhalte soll diskutiert und schließlich als Open Educational Resources (OER) zur Verfügung gestellt werden. 

Fellow-Programm Freies Wissen

Wikimedia Deutschland, die Volkswagen Stiftung und der Stifterverband führen ein Fellow-Programm für Doktoranden, Post-Docs und Juniorprofessoren durch, die mit Open Science-Methoden arbeiten. Bewerbungen sind bis zum 4. August möglich.