HFD Summer School: Workshops

Bei der Summer School des Hochschulforums Digitalisierung vom 25. bis 27. Juli 2018 werden vier Workshops angeboten, mit denen die Teilnehmenden eigene Themen setzen und gute Praxisbeispiele aus ihrer Hochschule vorstellen. Auf dieser Seite finden Sie detaillierte Beschreibungen aller Workshops.

 

Videofeedback

Ilka Nagel, Dozentin: Østfold University College, Norwegen

In einem digitalen Lehralltag reichen Studenten ihre Aufgaben meist nicht mehr analog in Papierform ein, sondern digital via eine Lehrplattform. Viele Lehrer drucken dann die Arbeit aus und markieren mit einem Stift und schreiben Kommentare in den Rand, andere nutzen die digitalen Korrektur- und Kommentarfunktionen in Office Word um den Studenten Feedback (und Feedforward) zu geben. Eine weitere Möglichkeit ist Videofeedback.
Bei Video Feedback dreht es sich um Screencast Korrektur: Man filmt den Desktop und eventuell sich selbst als „Talking Head“ während man die Aufgabe durchgeht und bespricht. Eine Alternative ist das Filmen von praktischen Aufgaben (z.B. in Kunst) während man kommentiert. Das Feedback wird konkreter, detaillierter, da man mehr sagt als man je schreiben würde. Studenten empfinden Videofeedback als sehr persönlich und haben die Möglichkeit es sich mehrmals anzusehen. Die Korrekturmethode braucht ein bisschen Eingewöhnungszeit und man muss sich gute Routinen schaffen (technisch und pädagogisch), aber dann kann man in kurzer Zeit qualitativ hochwertiges Feedback geben.
Lernziel dieses Workshops ist Videofeedback durchführen zu können. D.h. einen Überblick über Screencastprogramme, die pädagogischen und technischen Schritte haben und dies praktisch umsetzen können. Wir beginnen mit einer Einführung zum Thema Videofeedback (Forschungshintergrund und praktische Aspekte der Methode), testen dann konkret das Vorgehen und diskutieren abschließend Vor- und Nachteile und Ideen.

 

Didagital Enabling - Digitale Tools und Ihre Didaktik in der Lehrerbildung und der Hochschuldidaktik

Sophia Busch, Projektleiterin Offene Zukunftswerkstatt für die digitale Hochschullehre: Philipps-Universität Marburg

Gabi Reinmann forderte in ihrer Keynote in Mainz, dass hochschuldidaktische Workshops sich die Funktionalität einer Technologie zu eigen machen (Learning-by-Doing). In diesem Workshop wird ein Seminarkonzept weiterentwickelt, welches sich ursprünglich auf die Lehrerbildung bezog, aber in der Lehrendenqualifikation angewandt werden kann. Es basiert auf der Annahme, dass man ein Grundverständnis der Technologien braucht, welches nicht primär die technische Funktionsweise abbildet, sondern ihre Prinzipien und Zwecke. Es geht nicht darum, wie man z. B. Actionbound benutzt, sondern darum, das Potenzial GPS-gebundener Inhalte zu ermitteln (Primat der Didaktik). Teilnehmende erarbeiten die Rolle der jeweiligen Technologie in ihrer eigenen und der Lebenswelt der Lernenden, um daraus lernpsychologische Schlussfolgerungen für die Transformation der Lebenswelt zur Lernwelt zu ziehen. Letztendlich werden Teilnehmende durch diesen Zugang nicht nur befähigt, Medien zu nutzen, sondern auch, die relevanten Kompetenzen der Lernenden (Schüler, Studierende oder Lehrende) zu ermitteln und zu fördern. Die Auseinandersetzung mit den neuen Technologien erfolgt im Seminarkonzept auf den Ebenen:

  1. Einfluss der Technologien auf die Wahrnehmung – Bedeutung für die Veränderung der Lernprozesse und Konsequenzen für die Aufbereitung von (digitalen) Inhalten.
  2. Einfluss der Technologien auf Kommunikation und soziale Prozesse.
  3. Umgang mit den Medien/Technologien – veränderte Kompetenzen Lernender.

Nach einer kurzen Vorstellung des Konzepts und einer exemplarischen Seminareinheit, werden im Workshop thematische Stationen geboten. Teilnehmende können Einheiten für die Lehrerbildung weiterentwickeln oder Konzepte auf die Hochschuldidaktik übertragen. Sie erarbeiten anhand einer Technologie die Prinzipien ihrer Funktion und ermitteln Einsatzszenarien für ihre eigene Lehre. Es erfolgt eine Beratung, sodass idealerweise jede Person ein konkretes Szenario für die eigene Lehre konzipiert.

 

Einsatzmöglichkeiten von E-Portfolios in der eigenen Lehre

Susanne Schwarz, Leiterin Kompetenzzentrum Lernen & Lehre Digital: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Gina Henry, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kompetenzzentrum Lernen & Lehre Digital: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Der Workshop möchte praxisnah zeigen, wie die beiden Workshop-Leiterinnen E-Portfolios in ihrer Lehre einsetzen. Die Leiterinnen lehren im Bereich Schlüsselkompetenzen und fokussieren dabei die Entwicklung von Reflexionskompetenz. Sie geben Einblicke in die Chancen und Herausforderung der Arbeit mit E-Portfolios. E-Portfolios bieten Lehrenden einen Einblick in das studentische Lernen, da die Studierenden in den Portfolios ihre Kompetenzen darstellen. Der Fokus verschiebt sich, verglichen mit anderen Prüfungsformen, von den Defiziten der Studierenden hin zu deren Können (vgl. Häcker 2005:3). Sie rücken das eigene Lernen und die damit verbundenen Prozesse in den Mittelpunkt und machen diese gegenüber Dritten darstellbar. E-Portfolios ermöglichen eine differenzierte und prozessbegleitende Rückmeldung: sowohl von den Lehrenden an die Studierenden als auch von den Studierenden untereinander und von den Studierenden an die Lehrenden. Das zentrale Ziel dieses Workshops ist es, Anreize für die weitere Beschäftigung mit E-Portfolios und Reflexionen sowie Einblicke in die praktische Arbeit zu geben. Dafür diskutieren die Teilnehmenden in Kleingruppen Fragen wie

  • Wann ist der Einsatz von E-Portfolios sinnvoll?
  • Wie hoch ist der Aufwand?
  • Wie sichert man, dass die Studis damit umgehen können?
  • Was sind Vor- und Nachteile von E-Portfolios?
  • Welche Anbieter gibt es?

Der Workshop eignet sich für Personen, die ein Interesse am Einsatz von E-Portfolios, Reflexionen und Peer-Feedback haben.

 

Flexibilität als Lösungsansatz für Heterogenität?!

Manuel Stach, Projektkoordinator Open MINT Labs: Hochschule Kaiserslautern

Die Heterogenität von Studierenden hat in den letzten Jahren zugenommen und wird weiter zunehmen. Eine entsprechende Vielfältigkeit kann die Lernkultur an Hochschulen bereichern, stellt jedoch die Lehre vor neue Herausforderungen. Individualisierung und Binnendifferenzierung mit flexibel einsetzbaren Lernformaten sind heute wichtiger denn je. So zeigen Untersuchungen, dass bspw. der Einsatz virtueller Labore des Verbundprojektes Open MINT Labs (OML) genderspezifische Unterschiede im Lernverhalten kompensieren kann.
Der Workshop beschäftigt sich mit der Herausforderung heterogener Studierendengruppen. Ausgehend von realen Studierendengruppen der Teilnehmenden soll die Heterogenität der jeweiligen Zielgruppe analysiert werden. Die unterschiedlichen Gruppen werden charakterisiert und die sich daraus ergebenden Bedürfnisse an die Lehrveranstaltung zusammengetragen. Im zweiten Teil liegt der Fokus auf der stetig wachsenden Gruppe der berufsbegleitend Studierenden. Mehr als 10% der Studierenden in Deutschland studieren heute berufsbegleitend – eine Zahl, die sich durch die Forderung nach Lebenslangem Lernen und dem Wunsch nach kontinuierlicher persönlicher Weiterentwicklung weiter erhöhen wird. Diese Studierendengruppe zeichnet sich oft durch besonders große Heterogenität aus.
Neue Studienmodelle brauchen auf die Bedürfnisse angepasste Lernformate. Insbesondere digitale Lernformate sind hier als gewinnbringende Ergänzung zu sehen. Virtuelle Labore des OML-Projekts werden an der Hochschule Kaiserslautern u.a. im Bereich der berufsbegleitenden Studiengänge eingesetzt, um eine orts- und zeitunabhängige Vorbereitung auf Laborversuche zu ermöglichen. Die Teilnehmenden des Workshops können virtuelle Labore live erleben und interaktiv Einblicke gewinnen. Die Diskussion, inwiefern virtuelle Labore zur Schaffung ähnlicher Grundvoraussetzungen und als Modell zur Individualisierung des Studiums beitragen können, rundet den Workshop ab.