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Bericht von der LEARNTEC 2017 – Wieviel Technik, wieviel Pädagogik?

Vom 24. bis 26. Januar fand in Karlsruhe die 25. Learntec statt. Für das Hochschulforum Digitalisierung berichten Dr. Sebastian Kuhn und Kim Deutsch von ihren Eindrücken von der Messe.

Digitale Bildung ist der allgegenwärtige Begriff in Schule, Hochschule und auch in Unternehmen, der Inbegriff der Zukunft der Lehre. Deutlich wird das auch auf der LEARNTEC 2017. Der Name ist Programm und dieses Programm ist so aktuell wie nie. Dabei ist das Thema Technik in der Lehre an sich ein altes. Die LEARNTEC feiert 2017 ihren 25. Geburtstag.

Foto vom Learntec EröffnungspodiumEröffung der 25. Learntec. Foto: KMK/BEHRENDT+RAUSCH

Lange Schlangen vor Eintritt und Food Trucks zeigen trotzdem deutlich, der Hype ist groß, das Feld der Teilnehmer breit gefächert. Denn hier spielt jeder mit, ob Wirtschaft, Technik oder Pädagogik. Der Start in die Konferenz erfolgt mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft der Bildung – Deutschland als digitales Entwicklungsland?“. Sicherlich schon öfters diskutiert, auch der Aspekt des mangelhaften Breitbandausbaus, der insbesondere ländliche Regionen in Deutschland betrifft. Rund zwei Drittel der Zuhörer stimmen beim Live-Polling der Aussage zu, dass Deutschland digital in der Tat ein Entwicklungsland ist. Als problematisch erweist sich im Verlauf des Tages ausgerechnet der Internetzugang: Ungewöhnlich für eine Veranstaltung mit dem Schwerpunkt „Digitalisierung“ ist kein freies WLAN verfügbar. Da erlebt man die Auswirkung fehlender Breitbandanbindung ungewollt live vor Ort.

In Anlehnung an das Hochschulforum Digitalisierung stellt Dr. Alexander Classen das „Hochschulnetzwerk Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg“ vor, welches seit September 2016 aktiv ist. Durch Themengruppen, Beratung und Informationsangebot soll die kooperative Weiterentwicklung der digital gestützten Hochschullehre bundesland-spezifisch gefördert werden. Initiator ist das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter der Leitung von Theresia Bauer. Die Wissenschaftsministerin beweist hier erneut, dass Worten auch finanzielle Zusagen und Strukturen folgen müssen. Ob und wann weitere Bundeländer diesem guten Beispiel folgen bleibt offen, für die Hochschullandschaft ist es definitiv wünschenswert. 

Fokus Messe: Innovationen der Technikbranche

Bild von MesseständenViel Andrang auf der Messe. Foto: KMK/BEHRENDT+RAUSCH

Der Fokus der Messe liegt klar auf Innovationen der Technikbranche, der Markt für hochentwickelte technische Tools wächst – Virtual Reality und Augmented Reality sind in diesem Jahr besonders im Fokus. Hier bekommt man gute Möglichkeiten, die Zusammenarbeit von IT und Design zu testen. Die Technik durchläuft eine rasante Entwicklung und wird aktuell für den Massenmarkt erschwinglich und praktikabel. Es ist absehbar, dass diese zeitnah an Schulen, Universitäten und Unternehmen in der Bildung eingesetzt werden. Die gezeigten Angebote sind jedoch ganz überwiegend Prototypen, die die technischen Möglichkeiten demonstrieren. Pädagogisch sinnvolle Konzepte müssen noch gefunden werden.

Neben dem umfangreichen Aussteller-Aufgebot zu den Schwerpunkten Schule, Hochschule und Unternehmen gibt es Foren, die hochwertige Keynotes und Vorträge anbieten. Trend-, Anwender- und Branchenforum decken ganz unterschiedliche Bedürfnisse ab. Experten erzählen hier aus erster Hand von ihren Erfahrungen und geben konkrete Handlungsempfehlungen. Entwickler und Marketing Vertreter stellen ihre Produkte vor und stehen dem Publikum Rede und Antwort. Bei der Auswahl der Aussteller und Vortragenden überwiegen die Wirtschaftsunternehmen. Der Aufgabe flächendeckender Bildung in Hinblick auf (Medien-)Kompetenzen und reflektiertes Medienhandeln, als essentielle Grundlage digitaler Bildung, haben sich hier nur wenige angenommen. Am ehesten noch die Besucher selbst, die im Gespräch die fehlenden didaktischen Hintergründe bemängeln.

Es fehlt die Didaktik

Großes Thema sind auch die Zukunftsaussichten der Branche. Vor allem im technischen Bereich wird die Entwicklung mit ähnlich rasantem Tempo weitergehen. Aufholen müssen unter anderem die lehrenden, schulenden und ausbildenden Personen selbst, denn die neuste Technik nutzt der Lehre nichts, wenn es niemanden gibt, der sie handhaben kann. Hier vermisst man die Thematisierung der didaktischen Hintergründe, die sicherlich den bedeutendsten Teil zu einem erfolgreichen eLearning beitragen. Das Thema „Weiterbildung für Lehrende“ ist also weiterhin aktuell.

Dabei bieten die Messeforen, school@LEARNTEC und university@LEARNTEC, eine geradezu perfekte Diskussionsplattform. Schlagworte wie Medienkompetenz und didaktische Konzepte fallen, jedoch eher in Nebensätzen oder Floskeln. Überzeugende didaktische Konzepte sind Mangelware. Wer sich in der Praxis mit digitaler Bildung beschäftigt, weiß, dass die Technik eben nur das Tool ist, um Inhalte spannend und interaktiv aufzubereiten, um den aktiven Denkprozess zu fördern. Sie dient nicht einem Selbstzweck und die Technisierung wird überflüssig oder sogar hinderlich, wenn das pädagogische Konzept fehlt. Die Technik ist also nicht der gemeinsame Nenner, um den ein überzeugendes Konzept aufgebaut wird.

Face it - the Digital Revolution is over.

Nicholas Negroponte postulierte bereits 1998, dass der entscheidende, alles verändernde Wandel der Digitalisierung bereits abgeschlossen ist.  In Hinblick auf Lehre möchte man ergänzen „Die didaktische Revolution der Digitalisierung steht noch aus“.

Für die kommende LEARNTEC 2018 wäre es also wünschenswert, wenn das gelungene Zusammenspiel von Technik und Didaktik mehr in den Vordergrund rückt.

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