Von der Tiefe in die Breite

Dieser Blogbeitrag erscheint in unserer Serie von Beiträgen zur Nachbereitung der Strategiekonferenz während der Themenwoche "Shaping the Digital Turn". Er wurde zuerst bei Digitalisierung der Bildung veröffentlicht.

Auf der Strategiekonferenz „Shaping the Digital Turn – Hochschullehre im digitalen Zeitalter gestalten“ fand am 24. September 2018 ein Workshop zum Thema „Hochschulinterner Transfer innovativer Lehrkonzepte“ statt, der von Julius Othmer (Verantwortlicher der Projektgruppen in Lehre und Studium, Technische Universität Braunschweig) und Jasmin Piep (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Teach4TU-Team, Technische Universität Braunschweig) geleitet wurde.

Mischung und Vernetzung sind wichtig, wenn es um innovative Lehrkonzepte geht. Bild: [https://https://unsplash.com/photos/BVfT4c0MjUk Krystal Ng]

Für alle, die am 24.9. nicht vor Ort sein konnten, hier ein kurzes Summary:

Wenn es um die „Digitalisierung“ der Lehre geht, stehen viele Hochschulen hierzulande vor der Herausforderung, die an vielen Stellen der Hochschulen verstreuten Einzelprojekte, Learnings und Maßnahmen in dauerhafte Strukturen und verlässliche Angebote für möglichst viele Studierende zu überführen – oder, wie es Julius Othmer von der TU Braunschweig in seinem Workshop formulierte: „von der Tiefe in die Breite“ zu kommen. Genau mit dieser Aufgabenstellung wurde vor etwa drei Jahren an der TU Braunschweig eine neue Beratungs- und Transfereinrichtung geschaffen – in bewusster Ergänzung zu den bereits länger existierenden Serviceeinrichtungen in Rechenzentrum und Bibliothek. Gemeinsam mit über zwanzig weiteren Teamkolleg/innen engagieren sich seitdem in dieser Projektgruppe die beiden Workshopleiter/innen Julius Othmer und Jasmin Piep für die Digitalisierung in der Lehre. Sie tun dies selbstverständlich nicht als Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, durch digitale Lehrkonzepte den Lernerfolg der Studierenden zu steigern, exzellente und zeitgemäße Lehre zu ermöglichen und neue Zielgruppen zu erreichen. Doch wie kann man sich diesen Transfer innovativer Lehrkonzepte in den Alltag der Hochschulwelt vorstellen - welche Instrumente und Aktivitäten versprechen Erfolg?

Um es vorwegzunehmen: Die Projektgruppe der TU Braunschweig empfiehlt einen Mix aus (vorwiegend) „weichen“ und (einigen wenigen) „harten“ Maßnahmen. „Weich“, das sind beispielsweise Anreize (etwa Auszeichnungen für innovative Lehre) oder auch kommunikative Maßnahmen und Austausch-Plattformen, die in der Summe dazu beitragen, Best Practices, Erfahrungen und Akteure an der Universität besser zu vernetzen, und nach dem Motto „Was machst du so?“ anderen über die Schulter zu schauen und daraus Anregungen für die eigene Lehre abzuleiten: Der „Medienbildungsblog“, die Veranstaltung „Spotlight Lehre“ oder auch die 3 bis 5-minütigen Videos, in denen die Lehrenden innovative Lehrprojekte vorstellen und auf einer gegenwärtig in Planung eigens dafür eingerichteten Plattform für didaktische Settings präsentieren: all dies sind Aktivitäten, die nicht nur zu einem intensiveren Informationsaustausch unter den digital-affinen Lehrenden der TU führen, sondern auch die Sichtbarkeit der Einzelprojekte über Fakultäts- und Fachgrenzen hinaus erhöhen, neugierig machen und Interesse auch bei denjenigen wecken, die noch nach geeigneten Konzepten für ihre Lehrveranstaltungen suchen.

Neben solchen, im weitesten Sinn kommunikativ-informativen Maßnahmen kümmert sich die Projektgruppe an der TU aber auch um die Entwicklung strategischer Empfehlungen einerseits und operativer Supportangebote zum Medieneinsatz in Lehre und Studium andererseits. Zentrale Leitgedanken sind dabei neben der Erhöhung des Studienerfolgs auch die Entlastung der Lehrenden sowie die Reduktion von Studienabbrüchen. 

„Härter“ im Sinne von „verbindlicher“ werden die Maßnahmen der Projektgruppe dann, wenn es um die Qualifizierung neuberufener Professor*innen geht. Hier werden Kompetenz- bzw. Qualifikationserwartungen formuliert, die – vertraglich festgeschrieben in den Zielvereinbarungen – verpflichtend aufgebaut und nachgewiesen werden müssen, da ansonsten mit individuellen Nachteilen zu rechnen ist. Sofern Neuberufene die erwarteten Qualifikationen allerdings bereits anderweitig erworben haben, können diese selbstverständlich „angerechnet“ werden – außerdem sind die Lehrenden relativ frei zu entscheiden, wie, wann und wo sie diese Kompetenzen erwerben. 

Zusammengenomen ist es diese Mischung aus Information, Austausch und Vernetzung, Support, Incentives und Wissenstransfer, Beratung, Qualifizierung und verbindlichen Regelungen, die dazu führt, dass innovative Lehrkonzepte – schwerpunktmäßig in den Bereichen Game-based Learning (z.B. durch Planspiele), Mobile und Virtual Learning – an der TU Braunschweig in die Breite getragen und entsprechend nachhaltig etabliert werden können, wobei, wie die beiden Projektverantwortlichen einräumen, bisher vorwiegend der akademische Mittelbau erreicht wird.

Die TU Braunschweig hat 2017/18 an der Pilotphase der Peer-to-Peer-Beratung teilgenommen. Bei der Strategiekonferenz stellte die Hochschule daher beim Markt der Möglichkeiten Ihren Strategieprozess mit dem nachfolgenden Poster vor.