Lehrende mobilisieren und motivieren für zeitgemäße Kompetenzentwicklung

Dieser Blogbeitrag erscheint in unserer Serie von Beiträgen in Vorbereitung auf die Strategiekonferenz während der Themenwoche "Shaping the Digital Turn". Er wurde zuerst bei Digitalisierung der Bildung veröffentlicht. Der Text wurde von Dr. Ulrich Schmid vom mmb Institut verfasst.

In unserer Serie zur Strategiekonferenz „Shaping the Digital Turn - Hochschullehre im digitalen Zeitalter gestalten“ am 24. September 2018 werden die elf Workshops vorgestellt und nachbereitet. Nach den ersten Überlegungen zu Zielen für den Strategieprozess, wendet sich der folgende Beitrag dem Themenfeld „Operative Maßnahmen umsetzen“ zu. 

Die Digitale Lehre hat immer zwei Dimensionen: Auf der einen Seite geht es um den didaktischen sinnvollen Einsatz von Bildungstechnologien in der Lehrveranstaltung; andererseits verbindet sich damit die Frage nach den digitalen Kompetenzen – bezogen auf das jeweilige Fach- oder Berufsgebiet. Kurz: Es geht um Lernen mit digitalen Medien und um Kompetenzen für die Digitalisierung. Beides hängt unmittelbar zusammen und beides kann sich von Fach zu Fach recht deutlich unterscheiden. Während beispielsweise in der Medizinerausbildung die Themen „Künstliche Intelligenz“ und „Big Data“ zunehmend wichtiger werden, müssen künftige Bau- oder KFZ-Ingenieure unter anderem dazu in der Lage sein, mit sogenannten „digitalen Zwillingen“ – also datenbasierten Simulationen realer Objekte – zu arbeiten.

Möglicherweise lassen sich aber neben solchen spezifischen Kompetenzen auch grundlegende Wissensfelder bestimmen, die fachübergreifend an Bedeutung gewinnen, man denke etwa an Datensicherheit und Datenschutz oder an das Verständnis Cyber-Physikalischer-Systeme und KI-unterstützter Automationsprozesse, die in nahezu allen Berufssegmenten relevanter werden. Bei aller Unterschiedlichkeit von Anwendungssoftware ist sicherlich kein berufliches Tätigkeitsfeld mehr vorstellbar, das künftig ohne den Einsatz moderner Wissens-, Kollaborations- und Kommunikationsplattformen auskommen wird. Im Vorteil sind daher zweifellos diejenigen, die bereits ihr Studium mithilfe solcher Systeme geplant, organisiert und durchgeführt haben.

Bild: [https://unsplash.com/photos/IBaVuZsJJTo Ryoji Iwata]

Der Ausgangspunkt des Workshops „Mobilisierung & Motivierung von Lehrenden“ von Prof. Dr. Sönke Knutzen, Leiter des Instituts für Technische Bildung und Hochschuldidaktik an der Technischen Universität Hamburg, ist demnach die folgende Frage: Wie können Lehrende solche – teils fachspezifischen, teils generischen – Anforderungen einer digital geprägten (Arbeits-)Welt in ihren Lehrveranstaltungen sinnvoll aufgreifen und integrieren? Welche Lehr- und Lerntechnologien eignen sich in besonderer Weise für unterschiedliche Fach- und Berufskulturen? Und wäre es vielleicht sogar sinnvoll, grundlegende digitale Kompetenzanforderungen künftig in ein „Studium Generale“ bzw. „Studium Digitale“ auszulagern? Letzteres hält Prof. Knutzen für eher schwierig, nicht nur, weil damit ein weitreichender Umbau bestehender Studien- und Prüfungsordnungen verbunden wäre, sondern auch, weil er es für die Aufgabe eines/einer jeden Lehrenden hält, die eigene Lehrveranstaltungen so zu gestalten, dass digitaler Medieneinsatz sowohl didaktisch begründet ist als auch auf die Entwicklung der künftigen Digital-Kompetenzen „einzahlt“.

Freilich ist nicht jede(r) Lehrende, auch und gerade in den Natur- und Technikwissenschaften, dazu in der Lage und ausreichend motiviert, dieser Anforderung gerecht zu werden. Denn genau in diesen Bereichen finden Innovation permanent und z.T. auch sprunghaft/disruptiv statt. Eine zentrale Herausforderung im Rahmen der Strategieentwicklung für Lehre im digitalen Zeitalter besteht daher nach Auffassung von Prof. Knutzen darin, Lehrende dazu zu motivieren und zu befähigen, mit diesen Entwicklungen fachlich und mediendidaktisch Schritt zu halten. Denn die alte Trennung zwischen Theorie- und Methodenvermittlung an Schulen und Hochschulen einerseits und Praxisschulung in Unternehmen und Betrieben andererseits hält Knutzen für längst überholt. Seines Erachtens geht es vielmehr darum, die unterschiedlichen Kompetenz- und Handlungsfelder enger miteinander zu verzahnen.

Doch wie kann die geforderte hochschuldidaktische Qualifizierung der Lehrenden realisiert werden? Prof. Knutzen bietet dazu Erfahrungen und Hinweise aus dem Hamburger Hochschulbereich, wo beispielsweise mit der HOOU (Hamburg Open Online University) eine Lernplattform geschaffen wurde, die explizit offen ist für unterschiedliche Lehr-Konzepte und Methoden, oder wo mit dem „Digital Learning Lab“ an der TU Hamburg eine Einrichtung entwickelt wird, die als Wissens- und Erfahrungsdrehscheibe für die digitale Lehre fungiert.

Trotz dieser Angebote und Maßnahmen lässt Knutzen jedoch keinen Zweifel daran, dass der Erfolg letztlich vom Interesse und Engagement der Lehrenden abhängt. Ohne deren Motivation wird die digitale Hochschullehre nicht vorankommen. Dementsprechend liegt der Fokus des Workshops genau darauf, wie und wodurch Lehrende für die digitale Lehre mobilisiert und motiviert werden können. Ein Geheimrezept dafür gibt es freilich nicht, aber reichlich Erfahrungen und vielleicht auch die ein oder andere Best Practice aus der Hochschuldidaktik der TU Hamburg.

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