Open Educational Resources - sind sie der große Wurf oder nur ein Add-On? Im neuesten Podcast zu Open Educational Resources spricht Jöran Muuß-Merholz mit Dr. Anja C. Wagner von ununi.TV sowie Dr. Markus Deimann von der FernUniversität in Hagen. In vorangegangenen Folgen sprach er über Urheberrecht, OER beim E-Learning an Hochschulen sowie über die Rolle von Politik und Verwaltung bei OER.
„OER ist ein Signalbegriff: Wir haben jetzt im digitalen Zeitalter eine Errungenschaft erzielt, mit der wir zeitgemäß lernen können.” Für Dr. Markus Deimann von der FernUniversität in Hagen sind die Ressourcen und Artefakte aus dem Internet und deren Aufarbeitung ein Teil des Bildungsprozesses.
Auch Dr. Anja C. Wagner von ununi.TV meint, OER seien oftmals nicht um der Bildung willen eingesetzt, sondern Teil der Marketingstrategie. Sie kritisiert, dass im aktuellen System der Hochschulen kaum freie Bildungsressourcen entstehen können. „Es gibt nur wenig Initiative aus Hochschulen heraus, sich so neu aufzustellen, dass es uns allen nützt – und nicht nur ihnen selbst.” Dabei sei OER selbst kein Kampfbegriff, es ginge nicht nur um didaktisch abgerundete Einheiten, man müsse sie deutlich prozessorientierter entwickeln.
An US-amerikanischen Hochschulen gibt es deutlich größere Tendenzen zu freien Bildungsressourcen. Deimann sieht das vor allem darin begründet, dass diese eine sehr große Studierendenzahl haben und sich daher OER ohne große zusätzliche Investitionen bereitstellen als Werbemaßnahme nutzen ließen. Doch kann das der einzige Gewinn von OER sein? „Eigentlich wissen wir alle, dass das Bildungssystem ausgedient hat. Ich denke, OER ist ein Versuch, es noch ein bisschen in die neue Zeit rüberzuretten”, findet Wagner und spricht damit einen kritischen Punkt an. „Ich frage mich, ob es im 21. Jahrhundert noch Hochschulen braucht.”
Deimann sieht auch die Frage nach den Lizenzmodellen kritisch. Neben den CC-Lizenzen seien auch Open-Source-Lösungen, gerade im Software-Bereich, noch erwähnenswert. Doch würde dieses Thema eher alles verkomplizieren und Unsicherheiten fördern. „OER allein reichen nicht aus, wir brauchen auch OEP – Open Educational Practices.”
Doch wo sehen sie die Fortschritte im deutschsprachigen Bereich? Wagner sieht die schwache Entwicklung als „Armutszeugnis für das System”, positive Entwicklungen könnten von unten kommen und nur innovativ sein, wenn sie kritisch gegen die etablierten Strukturen entwickelt werden. Als Beispiel sieht sie hier die Wikipedia. Deimann sieht auch den Gedanken an die Weiternutzung kritisch, denn niemand würde vorhandenes Material qualitativ aufbereiten. Doch gibt es Hoffnung für OER? Wagner: „Wir müssen es schaffen, eine Infrastruktur zu entwickeln, die Menschen langsam in ihre Freiheit entlässt.”
00:01:07 Dr. Anja C. Wagner
00:01:55 Dr. Markus Deimann
00:02:33 (flipped) Perspektive auf OER – Rückblick aus der Zukunft
00:09:25 Openness im Hochschulkontext: Wie sieht eine angemessene Anbindung an Institutionen aus?
00:15:52 Weiterbildung und Hochschulen
00:19:23 Hoffnung: „Die Blüte kommt noch“ – Der Boom naht?
00:34:00 Mit OER gegen Pegida? – Theorien [von Pegida] aus dem Internet / aus OER?
00:41:23 Innovationen auch von unten?
00:47:22 Bietet das Qualitätsargument von Openness kein Potential? (Bsp. Wikipedia)
00:54:51 Themenwunsch: OER als Utopie/Dystopie/Heterotopie
01:02:27 Grundkonflikt: Institution / Open bleibt. Gibt es Ausschlussmechanismen?
01:11:03 Werbeblock
Der Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jöran Muuß-Merholz / www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. Der Podcast-Jingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track „I dunno“ von grapes, lizenziert unter CC BY 3.0.
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