Wearables – Was sind das überhaupt?

Wearables werden tragbare Computer am Körper des Nutzers genannt, z.B. als Smartwatches im Armbanduhrenformat. Bei Apple sind sie nach iPod, iPhone und iPad als Apple Watch die nächste Produktgeneration. Samsung, LG und andere Hersteller haben bereits seit geraumer Zeit Produkte auf dem Markt. Diese Geräte kombinieren die Funktionalität einer herkömmlichen Armbanduhr mit Smartphone-Diensten wie telefonieren, Nachrichten lesen und Aktivitäts-Trackern zur Erfassung und Auswertung von biometrischen Daten. Auch Microsoft hat dieser Tage ein neues Produkt als Mischung aus Smartwatch und Fitnessarmband vorgestellt. Eine weitere Klasse der Wearable Devices sind Datenbrillen, z.B. Google Glass, auf welche ich aber in diesem Beitrag nicht weiter eingehen will.

Was aber ist das Interessante oder der Mehrwert des Smartphones am Handgelenk? Im Duktus des "nur was gemessen wird, kann auch optimiert werden"-Paradigmas hat sich die sog. Quantified Self-Bewegung auch in Deutschland gegründet. Ziel der Anhänger ist die Erfassung möglichst vieler Aktivitäts- und Bewegungsdaten, von den Schlafphasen über die gelaufenen Schritte am Tag bis hin zum E-Maildurchsatz.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ein im Handy integrierter Schrittzähler im hektischen Berufsalltag durchaus seinen Charme hat - am Ende des Tages, der Woche oder des Monats sieht man ganz unverklärt und grafisch aufbereitet, wie aktiv man wirklich war.

Wearables in der Hochschule – Didaktik und mehr

Worin liegt aber das Potential von Wearables für Studierende und Dozierende? Es ergeben sich aus meiner Sicht eine Vielzahl spannender Innovationsfelder. Das kleine Display einer Smartwatch eröffnet eine Spielwiese für kreative Lösungsansätze, z.B. für das Lesen von E-Mails, SMS oder Kurzmeldungen. Die Schnelllese-App Spritz stellt Texte wortweise mit Fokussierungsmarkierung dar und erlaubt so die Steigerung des Lesetempos auf bis zu 700 Wörter pro Minute.

Studierende könnten sich von ihrer Smartwatch an das regelmäßige Lernen, die nächste Vorlesung und die Prüfungsvorbereitung erinnern lassen. Dozierende könnten kleine Quizze, Aufgaben und Inhalte zur Vertiefung und Wiederholung des Lernstoffs zur Verfügung stellen. Mobile Learning ist hier sicherlich das Schlagwort, was in der letzten Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt und auch auf Tagungen wie dem Mobile Learning Day X(tended) 2014 diskutiert werden. In Abhängigkeit des persönlichen Terminkalenders, des Studienplans und des Lernfortschritts duellieren sich also zukünftig womöglich motivierende Hinweise, Lerntipps und kleine Wissenshäppchen mit dem inneren Schweinehund des Studierenden. Quasi der Personal Trainer samt Personal Learning Environment. Hier gilt es, sinnvolle didaktische Einbettungen der Technologie zu finden. Vielleicht werden in Zukunft nach Prüfungen dann auch nicht mehr nur die Noten, sondern auch der persönliche Schlafrhythmus, die Pulsfrequenz und die Essgewohnheiten eine neue Rolle spielen. Verzweifelte Raumsuchen und verpasste Nahverkehrsmittel gehören mit der Landkarte am Handgelenk dann hoffentlich auch der Vergangenheit an.

Wearables als Datenkraken? – Ein zweiter Blick lohnt sich

Wem aber gehören die erfassten Daten und wer darf wie über sie verfügen? Nach deutscher Datenschutzauffassung liegt das Eigentum klar beim Nutzer, im internationalen Umfeld gibt es hierzu aber auch andere Auffassungen. In Zeiten der vergleichsweise einfachen Auswertung auch größter Datenmengen steigt natürlich auch das Interesse der Anbieter, Erkenntnisse über die Nutzer verschiedener Technologien und Dienste zu erlangen. Eine kritische Studie der jeweiligen Nutzungsbedingungen ist vor der Nutzung zu empfehlen!

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