HFDcon: Mehr als "nur" ein Netzwerktreffen - Interview mit Joachim Metzner

Joachim Metzner ist Vorsitzender des Netzwerks für die Hochschullehre beim Hochschulforum Digitalisierung. Er ist Präsident a.D. der Technischen Hochschule Köln und ehemaliger Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz mit dem Ressort Digitale Infrastruktur. Im Interview mit Anja-Lisa Schroll erklärt er, warum die HFDcon am 21. Oktober 2019 in Bonn mehr wird als "nur" ein Netzwerktreffen. 

HFDcon am 21. Oktober 2019 im World Conference Center BonnHFDcon am 21. Oktober 2019 im World Conference Center Bonn

"Welchen Stellenwert hat das Thema Datensicherheit beim Aufbau einer fachübergreifenden ‚digital competence‘?"

Anja-Lisa Schroll: Sie sind als Vorsitzender des Netzwerks für die Hochschullehre bereits zum dritten Mal beim „HFD-Netzwerktreffen“ dabei. Worauf freuen Sie sich besonders?

Joachim Metzner: Besonders freue ich mich auf die tolle Mischung von persönlichem Treffen mit den Mitgliedern des Netzwerks und den zahlreichen Informationsveranstaltungen, den Workshops, Barcamp-Sessions und Poster-Präsentationen. Da werden wir alle vor Ort viele Einblicke in aktuelle Ansätze und Vorhaben gewinnen können.

Neu ist, dass wir diesmal einen thematischen Schwerpunkt gewählt haben: Wir wollen Datensicherheit im Hinblick auf Lehre diskutieren und dabei drängende Fragen ansprechen: Wie können Learning Analytics sinnvoll eingesetzt und wie kann gleichzeitig die Privatsphäre von Studierenden gewahrt werden? Welche Verantwortung kommt hier den Hochschulen und ihrem Personal, aber auch den Studierenden zu? Welchen Stellenwert hat das Thema Datensicherheit beim Aufbau einer fachübergreifenden ‚digital competence‘? Wir haben dem Netzwerktreffen den Titel gegeben: "Safety first? Datensicherheit und innovative Lehre zusammendenken". Denn wir sind überzeugt, dass moderne Hochschullehre nicht zwangsläufig durch eine hohe Datensicherheit ausgebremst wird. Im Gegenteil: Die Gewährleistung von Datensicherheit erleichtert die Entscheidung für digitale Lehr- und Lernformate, führt zu größerer Akzeptanz innovativer Entwicklungen und sichert deren Nachhaltigkeit. Deshalb wollen wir das Thema aufgreifen.

Poster-Präsentationen sind meiner Erfahrung nach häufig etwas trocken. Wie sehen Sie das?

Poster-Präsentationen sind mittlerweile fast schon Standard bei hochschulischen Veranstaltungen, aber sie werden tatsächlich oft nur am Rande aufgebaut, quasi als „schmückendes Beiwerk“. Inzwischen wissen wir, dass man so den innovativen und vielfältigen Projekten im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens nicht gerecht wird.

Deshalb wollen wir mit dem Gallery-Walk gezielt Möglichkeiten zur Information und zum Austausch über die Projektpräsentationen schaffen, etwa mit geführten Rundgängen zur Poster-Ausstellung, in denen die Ausstellenden selbst zu Wort kommen. Außerdem ermöglichen Audio-Guides jederzeit einen individuellen Rundgang.

"Auf der HFDcon bieten wir daher die Gelegenheit, sich untereinander, fachunabhängig und über institutionelle Grenzen hinweg auszutauschen"

Sie haben als Hochschullehrer selbst viele Jahre lang unterrichtet und kennen die Herausforderungen des Lehralltags. Inwiefern können Lehrende vom Besuch der HFDcon 2019 profitieren?

Joachim Metzner auf HFD-BühneJoachim Metzner auf der Themenwoche 2018. Bild: Kay Herschelmann/Stifterverband

Je umfangreicher digitale Lehrmethoden im Hochschulalltag zur Anwendung kommen, umso deutlicher wird, dass damit ein erhöhter Bedarf für fächer- und institutionsübergreifenden Austausch und Zusammenarbeit verbunden ist. Digitale Lehre kann nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn zum Beispiel Lehrende und Mitarbeiter von Support-Einrichtungen, aber auch Lehrende verschiedener Fächer eng zusammenarbeiten. Nun ist der Austausch in der alltäglichen Praxis häufig durch räumliche oder institutionelle Gegebenheiten schwierig. Auf der HFDcon bieten wir daher die Gelegenheit, sich untereinander, fachunabhängig und über institutionelle Grenzen hinweg über konkrete Anliegen oder Erfahrungen auszutauschen und eigene Vorhaben gemeinsam weiterzuentwickeln, beispielsweise im Barcamp oder in Workshops oder auch in der Podiumsdiskussion zu Datensicherheit in der Lehre.

Das klingt sehr nach „hands-on“. Inwiefern werden Lehrende angeregt, sich auch grundsätzlich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen?

Erfolgreiche digitale Lehre ist für Lehrende, aber auch für andere Gruppen in der Hochschule, immer mit einem Umdenken hinsichtlich der eigenen Rolle und mit neuen Gestaltungs- und Umsetzungsaufgaben verbunden. Das Hochschulforum bietet die Möglichkeit sich darüber zu verständigen und zu beraten, und deshalb bleibt dieser Austausch auch wesentlicher Bestandteil unseres Veranstaltungskonzepts. Aber natürlich wollen wir auch die einbeziehen, auf die all diese Bemühungen gerichtet sind: die Studierenden, die bei digitalem Lernen ebenfalls grundlegende Veränderungen erfahren. Die studentische Arbeitsgruppe des HFD, die Digitalen Changemaker, werden deshalb die Ergebnisse ihrer Umfrage zu den Bedürfnissen Studierender präsentieren, an der mehr als 10.000 Studierende bundesweit teilgenommen haben.

Bisher fanden alle Netzwerktreffen in Berlin statt. Warum haben Sie sich dieses Jahr für Bonn als Veranstaltungsort entschieden?

Wir haben uns für Bonn entschieden, weil wir damit im Zentrum einer hochverdichteten und innovativen Hochschulregion stehen, in einer Wissenschaftslandschaft, die durch den Sitz zahlreicher wissenschaftlicher Spitzenorganisationen geprägt ist. Das passt zur HFDcon mit ihrem Schwerpunkt auf Vernetzung und gegenseitiges Lernen.

Außerdem: das Netzwerk für die Hochschullehre arbeitet ganz bewusst bottom-up. Deshalb möchten wir als Veranstalter den Netzwerkmitgliedern bei hochschulpolitischen Entscheidungsträgern Gehör verschaffen. Der alte Plenarsaal in Bonn passt gut zu diesem Anliegen – der Berliner Bundestag stand hierfür leider nicht zur Verfügung!

Haben Sie Lust bekommen, an der HFDcon teilzunehmen? Die kostenlose Anmeldung ist hier möglich. Außerdem haben Sie Gelegenheit, die HFDcon mit Workshops, Postern, Barcamp-Sessions und Science Slams selbst zu gestalten und eigene Themenschwerpunkte zu setzen. Der Call for participation läuft bis 18. August. 

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