Mitgemacht statt mitgedacht: Das Student Digital Office an der Hochschule Ruhr West

Mitgemacht statt mitgedacht: Das Student Digital Office an der Hochschule Ruhr West

Digitales Netz auf dunklem Blau mit Text: Student Digital Office

Bildungsinstitutionen durchleben in den letzten Jahren einen umfassenden Change-Prozess. Nicht nur die Bildungsinhalte entwickeln sich vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung weiter, auch die Bildungsformate werden flexibler und vielfältiger, um der Diversität der Lernenden besser gerecht zu werden. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die digitale Transformation von Lehre und Lernen. Aber welchen Anteil an dieser Entwicklung haben die Lernenden selbst?

Meist reden wir als Hochschulbeschäftigte darüber, was wir denken, was Studierende brauchen. Darüber, wie sie in ihrer Entwicklung sowohl organisatorisch als auch inhaltlich am besten gefördert werden. Oftmals kommen wir dem Bedarf auch näher, wenn wir täglich mit ihnen im Gespräch sind und die eigene Lehre und Hochschulangebote versuchen entsprechend weiterzuentwickeln. Was häufig im kleinen Rahmen funktioniert, ist im Hörsaal mit hunderten Studierenden eine große Herausforderung. Befragungen und Workshops lassen uns an studentischen Ideen teilhaben – allerdings stehen diese zumeist abgekapselt für sich und integrieren Studierende darauf aufbauend nicht im ‚großen Ganzen‘. ‚Wir‘ sprechen hier immer noch zu oft über das ‚ihr‘. Was passiert also, wenn wir Studierende zu echten Beteiligten und Gestalter:innen ihrer Hochschulen machen? Wenn wir ihnen mehr Raum geben, ihre Hochschule der Zukunft selbst zu entwickeln?

Denker, Röwert und Böckel (2021) sprechen sich für neue Formen der studentischen Partizipation an Hochschulen aus. Die Hochschule Ruhr West (HRW) mit Standorten in Mülheim an der Ruhr und Bottrop möchte diesen Kulturwandel aktiv unterstützen und hat, neben weiteren Initiativen zur Förderung der studentischen Teilhabe, in einem Pilotvorhaben mit dem Hochschulforum Digitalisierung ein Student Digital Office (SDO) eingerichtet (HRW, 2021a; Müller-Vogt, 2020).

Ziel des SDO ist es, dass die Studierenden als die zentrale Zielgruppe der Hochschule ihre Perspektive aktiv in strategische Initiativen mit einbringen, um die digitale Transformation der Hochschule entsprechend ihrer tatsächlichen Bedarfe und Ideen voranzubringen. Echte Studierenden-Partizipation bietet sowohl für die Hochschule Vorteile, als auch für die Studierenden in ihrer Kompetenzentwicklung selbst.
 

Digitales Netz auf dunklem Blau mit Text: Student Office

Die ersten Schritte im Student Digital Office

Damit ein SDO gewinnbringend arbeiten kann, muss die Hochschule genuin Wert darauf legen, die Ideen und das Knowhow der Studierenden im Bereich Digitalisierung und Digitalität, in die Hochschulentwicklung mit einfließen zu lassen. Daher ist das SDO-Team bei der Hochschulleitung angesiedelt. Essenziell ist weiterhin die enge Zusammenarbeit mit dem CIO (Chief Information Officer), der die strategischen Vorhaben der Hochschule im betreffenden Handlungsfeld verantwortet. Je nach Aufgabengebiet findet zudem ein Austausch mit weiteren Personen aus der Hochschulleitung, den Hochschulgremien, den Dezernaten des Servicebereichs und den Fachbereichen statt.

Für 6 bis 18 Monate beteiligen sich Studierende am SDO in einem Ehrenamt. Im Folgenden berichtet das SDO-Team der HRW:

Wir, Eldina Abazi und Janosch Hagenbeck, sind das erste SDO-Team an der HRW und bringen uns seit Februar 2021 aktiv in das Pilotprojekt ein. Durch einen Workshop des Hochschulforums Digitalisierung und ein Kennenlernen mit allen Projektbeteiligten der Hochschule, waren wir bestens für zukünftige Aufgaben gerüstet. Um intern Mitstreiter:innen, für mögliche Projekte zu gewinnen, hatten wir beispielsweise einen eigenen Stand auf dem hochschulinternen E-Learning Day, sind Gast in verschiedenen Gremien der Hochschule und vernetzen uns proaktiv in diversen Hochschulbereichen. Zudem wurden wir von der Abteilung für Hochschulkommunikation interviewt und der Hochschulöffentlichkeit vorgestellt. Durch diese Aktivitäten und eine gezielte Ansprache von Akteur:innen an der Hochschule bekommen wir vermehrt Anfragen in Form von Kooperationen oder auch als Beratungshilfe bei digitalen Vorhaben, welchen wir eigenständig nachgehen.
 

Vertrauen als Erfolgsfaktor 

Von Beginn an wurde uns als SDO-Team Verantwortung übertragen. Wir können eigenständig und lösungsorientiert handeln. Unsere Arbeit umfasst neben operativen (z.B. Beteiligung am E-Learning Day der Hochschule) auch strategische Aufgaben. So bringen wir uns aktiv mit eigenen Projektvorschlägen ein und werden in laufende Hochschulprojekte mit einbezogen. So wirken wir beispielsweise als Jurymitglieder bei der Vergabe der Fellowships für Innovationen in der Digitalen Hochschullehre – kurz digiFellows – mit. Das Programm wird durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert. Durch eine finanzielle Förderung im fünfstelligen Bereich konnten zwei bemerkenswerte Vorhaben unterstützt werden, die insbesondere Studierende in ihrem individuellen Lernfortschritt begleiten (vgl. auch HRW, 2021b).

Neben den Tätigkeiten als Jurymitglieder partizipieren wir auch bei der Entwicklung der Hochschulstrategie. In Expert*innenworkshops zur Zukunft des Lehrens und Lernens werden wir aktiv eingebunden und vertreten die Studierendenperspektive in gelosten Kleinprojekten. Dadurch, dass die Studierendenperspektive Einzug in strategische Vorhaben erhält und Studierende maßgeblich an der Gestaltung der Visionen für die Hochschule beteiligt sind, erhoffen wir uns eine größere Akzeptanz seitens der gesamten Studierendenschaft für die zukünftige Ausrichtung der Hochschule und in der Folge eine fortwährend steigende Studierendenbeteiligung. Durch gemeinsame Workshops mit verschiedenen Akteur*innen der Hochschule, wird so aus dem ‚ihr‘ immer mehr ein ‚wir‘. Gemeinsam mit unseren Lehrenden entstehen auf diese Weise Konzepte für die unmittelbare Weiterentwicklung der Lehre sowie Strategien für die Zukunft des Lernens.
 

Es gibt einiges zu tun. Ideen für die Zukunft

Insgesamt wurde das Pilotprojekt seitens der Mitarbeiter:innen und der Studierenden sehr gut aufgenommen. Das Interesse am Projekt und die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Beteiligung ist weiterhin groß. Deshalb ist geplant, das Team in Zukunft zu vergrößern.

Wir sind uns darüber bewusst, dass ein Change-Prozess Zeit in Anspruch nehmen wird. Den Grundstein für studentische Partizipation haben wir in der Vergangenheit gelegt. Durch die Einarbeitung und das Kennenlernen der Hochschule stehen in Zukunft die Betrachtung vieler weiterer Themen an, wie zum Beispiel hybride Lehrveranstaltungen oder auch eine zunehmende Individualisierung/Personalisierung des Lernens durch Technologien.

 

Literatur:

Denker, F., Röwert, R., & Böckel, A. (2021). Partizipative Hochschulentwicklung für den digitalen Wandel–Leitlinien des studierendenzentrierten Change Management. In Digitalisierung in Studium und Lehre gemeinsam gestalten (pp. 233-247). Wiesbaden: Springer SV. 

HRW (2021b). SDO bewegt die digitale Hochschullehre. Pressemeldung. 

HRW (2021b). Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre 2021. Pressemeldung. 

Müller-Vogt, I. (2020). Digitale Transformation an Hochschulen – Konzeptentwicklung für die Implementierung eines Student Digital Office zur Ermöglichung studentischer Partizipation. Masterthesis. Ludwigsburg: PH Ludwigsburg.

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